Deutschland Jagdverband geht von mehr als tausend Wölfen aus

Der Wolf ist in Deutschland wieder heimisch. Laut Jagdverband soll es sogar deutlich mehr Tiere geben als offizielle Statistiken angeben. Doch die Hochrechnung ist umstritten.
Wolf im Wildpark Eekholt (Schleswig-Holstein)

Wolf im Wildpark Eekholt (Schleswig-Holstein)

Foto: Carsten Rehder/ picture alliance/dpa

Wie viele Wölfe gibt es in Deutschland? In der Diskussion um die Bestandsentwicklung des Raubtiers präsentiert der Deutsche Jagdverband aktuell eine neue Zahl. "Nach unseren Schätzungen hat der Wolfsbestand in diesem Jahr die Zahl 1000 überschritten", zitiert die "Rheinische Post"  Verbandssprecher Torsten Reinwald.

Sicher nachgewiesen sind in Deutschland allerdings laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW ) nur 60 Rudel, 16 Wolfspaare und zwei Einzeltiere. Diese Angaben stammen aus dem Jahr 2016/2017 - neuere Daten liegen noch nicht vor, weil die Zählung noch läuft.

Nimmt man die DBBW-Zahlen als Grundlage, dann lebten im Monitoringjahr 2016/2017 in Deutschland 150 bis 160 erwachsene Wölfe. Hinzu kamen 218 Welpen. Insgesamt kommt man so auf ungefähr 370 Wölfe in Deutschland. So die offiziellen Angaben.

Wie aber kommt der Jagdverband zu seiner deutlich höheren Zahl? Reinwald beruft sich auf Hochrechnungen, die der Jagdverband gemeinsam mit Wissenschaftlern der TU Dresden durchgeführt habe, wie er auf Anfrage des SPIEGEL mitteilt. Demnach lebten in diesem Frühjahr etwa 800 Wölfe in Deutschland - und zwar vor der Fortpflanzungszeit. Bei einem angenommenen Populationszuwachs von 30 Prozent käme man Ende dieses Jahres damit auf tausend Tiere, so Reinwald.

Theoretisch könnten in Deutschland mehrere hundert Wolfsrudel leben, die jeweils aus zwei erwachsenen Tieren und meist zwei bis vier Jungtieren bestehen. Dies haben Berechnungen von Wissenschaftlern ergeben. Um auf eine Population von Tausenden Tieren zu kommen, müssten sich die Wölfe aber noch weiter in Deutschland ausbreiten. Ein Rudel benötigt eine Fläche von etwa 200 Quadratkilometern.

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Raubtier: Die Wölfe sind zurück

Foto: Bundesforstbetrieb/BImA/Jüttner/ picture alliance / dpa

Die Ausbreitung des Wolfs führt immer wieder zu Konflikten mit Menschen. Der Jagdverband fordert deshalb seit Längerem, den Schutz der Wölfe zu lockern. Manche Jäger sehen Wölfe auch als unliebsame Konkurrenz. Es gibt Regionen in Deutschland, wo sie ein Wolfsrudel deutlich zu spüren bekommen, weil es plötzlich weniger Tiere zu jagen gibt und diese sich auch anders verhalten.

In Deutschland lebende Wölfe ernähren sich hauptsächlich von Rehen. Untersuchungen aus der Lausitz haben ergeben, dass ein Wolfsrudel im Schnitt pro Jahr 400 Rehe, 54 Hirsche und 16 Wildschweine reißt. Die wichtigsten Fragen und Antworten rund um das Thema Wolf lesen Sie hier.

"Wenn wir in Deutschland Tiere auf der Weide sehen wollen, dann brauchen wir ein aktives Wolfsmanagement, das im Einzelfall auch die Entnahme von Wölfen beinhaltet", sagte auch der Präsident des Bauernverbands, Joachim Rukwied, der "Rheinischen Post" .

FDP-Agrarexperte Karlheinz Busen sprach von "Kuscheltierromantikern" im Umweltministerium. Dieses nähme die Gefahren und die Sorgen der Menschen einfach nicht ernst. Zuvor hatte die FDP bei der Bundesregierung nachgefragt, ob die wachsende Wolfspopulation eine Gefahr für Jogger, Hundebesitzer oder spielende Kinder darstelle.

In der Antwort des Umweltministeriums hieß es, das könne zwar nicht gänzlich ausgeschlossen werden, das Risiko sei jedoch sehr gering. Auch Tierschützer lehnen es vehement ab, Wölfe zum Abschuss freizugeben. Seit wieder Wölfe in Deutschland leben, ist kein Zwischenfall dokumentiert, in dem sich eines der Tiere einem Menschen gegenüber aggressiv gezeigt hat.

Video: Die Rückkehr der Wölfe

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chs/koe/AFP
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