Raubtiere In Deutschland leben 46 Wolfsrudel

Tierfreunde sprechen von einer Erfolgsgeschichte des Naturschutzes: Der Bestand von Wölfen in Deutschland wird größer - bereits 130 erwachsene Tiere streifen durchs Bundesgebiet.
Wolf im Wildpark Schorfheide

Wolf im Wildpark Schorfheide

Foto: Patrick Pleul/ dpa

In Deutschland leben nach den neuesten Daten des Bundesamtes für Naturschutz BfN und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Wolf (DBBW) immer mehr Wölfe: Es gibt Nachweise für 46 Rudel, 15 Paare und vier sesshafte Einzeltiere. Das entspricht 120 bis 130 erwachsenen Wölfen.

"Wir haben es mit einer deutlichen Steigerung zu tun", sagte die Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz (BfN), Beate Jessel, am Freitag in Berlin. Im vergangenen Beobachtungsjahr waren es den Daten zufolge noch 110 erwachsene Wölfe und 31 Rudel.

Jungtiere spielen in den Daten eine untergeordnete Rolle, da sie oft nicht überleben. Insgesamt sprach Jessel von einer "Erfolgsgeschichte des Naturschutzes".

Gleichwohl wissen die Experten um Ängste in der Bevölkerung und Vorbehalte bei Tierhaltern. Für von Wölfen getötete Nutztiere wurden nach BfN-Angaben 2015 knapp 108.000 Euro Ausgleichszahlungen geleistet.

Bürger sichten Wölfe gelegentlich auch in Orten und auf Straßen in besiedelten Gebieten. Die Tiere legten große Strecken zurück und gingen Menschen möglichst aus dem Weg, betonte Ilka Reinhardt, Projektmitarbeiterin der Anfang 2016 gegründeten DBBW. "Sie können sich aber nicht unsichtbar machen."

"Es ist nicht problematisch, wenn ein Wolf aus 50 Meter Entfernung nicht sofort vor einem Auto wegläuft", so die Expertin. Menschen im Auto seien für Wölfe nicht erkennbar. Wenn sich ein Tier näher als 30 Meter an Fußgänger herantraue, gelte es, genauer hinzusehen. Jede Beobachtung werde ernst genommen.

"Respektvollen Abstand wahren"

"Die effektivste Methode, kritische Situationen von Beginn an zu vermeiden, ist, Wölfe als echte Wildtiere zu behandeln und respektvollen Abstand zu wahren", erklärte der Bundesgeschäftsführer des Naturschutzbunds (Nabu), Leif Miller, am Freitag. Er appellierte an alle Bundesländer, sich auf die Rückkehr des Wolfs vorzubereiten.

Der Wolf war in Deutschland vor 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte dann erstmals ein Wolfspaar aus Polen zu. Die meisten Tiere leben nun in Sachsen und Brandenburg. Aktuelles nachweisliches Verbreitungsgebiet ist ein noch lückenhaftes Band von der Lausitz im Osten bis ins westliche Niedersachsen.

Von dort könnten sich die äußerst anpassungsfähigen und mobilen Tiere möglicherweise in ganz Deutschland ausbreiten, sagte Jessel: "Potenziell ist ganz Deutschland Wolfserwartungsland." Rechnerisch könnten maximal 440 Wolfsrudel Platz finden. "Ich glaube aber nicht, dass wir das jemals erreichen werden", sagte Jessel.

Denn trotz der positiven Entwicklung der streng geschützten Tiere sprechen Experten noch von einer "ungünstigen Erhaltungssituation". Es lauern viele Gefahren: Größter Feind sei nach wie vor der Mensch, so Jessel.

Die meisten werden getötet

Nur 14 der 147 Wölfe, die seit 2000 in Deutschland tot aufgefunden wurden, seien nachweislich eines natürlichen Todes gestorben. Der Großteil wurde überfahren, einige andere erschossen. Erst kürzlich wurde in Brandenburg zum wiederholten Mal ein toter Wolf mit abgetrenntem Kopf gefunden.

Anfang 2012 war erstmals wieder ein Wolf in Rheinland-Pfalz nachgewiesen worden. Wenig später wurde das Tier erschossen. Seitdem gibt es nur sehr wenige Nachweise dafür, dass Wölfe in dem Bundesland waren. Im April dieses Jahres etwa konnte per DNA-Probe festgestellt werden, dass ein Wolf neun Damhirsche im Westerwald tötete.

Für den Wildtierbestand in Deutschland sei das kein Problem, sagte der Biologe und Wildtierfotograf Axel Gomille zu SPIEGEL ONLINE im Interview: "Auf einen wilden Wolf kommen mehr als 10.000 wilde Huftiere. Die Wölfe können es noch nicht mal annähernd schaffen, diesen Huftierbestand zu regulieren."

Seiner Meinung nach stellt der aktuelle Wolfsbestand kein Problem dar - zumindest nicht für die Natur. Viele Landwirte machen sich dagegen Sorgen um ihre Nutztiere. Auch Gomille sieht das als ernst zu nehmendes Problem.

Allerdings gebe es bereits Programme, in denen die Bundesländer etwa professionelle Schäfer beim Schutz ihrer Herden unterstützen. Die Allgemeinbevölkerung müsse dagegen keine Angst vor den Raubtieren haben. Gewöhnlich sind Wölfe eher scheu.

Von Gisela Gross, dpa/boj
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