Naturschutz So viel kostet der Wolf in Deutschland

Hunderte Wölfe leben wieder in Deutschland. Das lassen sich die Bundesländer nach SPIEGEL-Informationen in diesem Jahr einen erheblichen Betrag kosten.

Wolf im Gehege des Wildparks Neuhaus
Swen Pförtner/dpa

Wolf im Gehege des Wildparks Neuhaus


Der Wolf ist zurück in Deutschland, in fast allen Bundesländern haben sich die Tiere angesiedelt. Die Länder lassen sich das einiges kosten: Sie planen, wie eine SPIEGEL-Umfrage zeigt, in diesem Jahr mehr als 14 Millionen Euro für die freilebenden Wölfe ein.

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Am meisten Geld stellt Sachsen zur Verfügung, dreieinhalb Millionen Euro, danach folgen Schleswig-Holstein mit 3,1 Millionen Euro und Niedersachsen mit 2,8 Millionen Euro. Das Geld fließt unter anderem in Schutzzäune für Weidetierhalter, Ausgleichszahlungen nach Wolfsrissen und Datensammlungen über die wilden Tiere etwa durch Kameras und Genbestimmungen.

Der SPIEGEL hatte die Zahlen in allen 13 Flächenländern nachgefragt und nur Berlin, Hamburg und Bremen ausgenommen: In die Stadtstaaten sind die Wildtiere noch nicht dauerhaft vorgedrungen.

Ost Deutschland ist Wolfsland

Derzeit ist von etlichen Dutzend Rudeln auszugehen, die einem weitläufigen Standort in Deutschland treu bleiben, hinzu kommen Paare und Einzelgänger. Insgesamt handelt es sich um rund 800 Tiere, wenn man die Angaben der Bundesländer addiert. Diese Gesamtzahl beinhaltet allerdings Doppelzählungen durch Gebietsüberschneidungen der Wildtiere; die Zahl durchziehender Wölfe ist andererseits nicht enthalten.

Die meisten Raubtiere leben in ostdeutschen Bundesländern: In Brandenburg wird die Zahl der residenten Wölfe auf 300 geschätzt, in Sachsen auf 160, in Sachsen-Anhalt auf 92. Niedersachsen liegt im Westen mit schätzungsweise 200 Exemplaren weit vorne - der nördliche Nachbar Schleswig-Holstein geht nur von zwei bis vier angesiedelten Wölfen aus.

Unterstützung von Schäfern

Hessen hingegen geht bisher davon aus, dass im Land kein Wolf residiert, registriert aber dennoch Wolfsschäden und Risse durch durchziehende Tiere. Das Land zahlt seinen Schaf- und Ziegenhaltern für fachgerechte Schutzmaßnahmen eine "Herdenschutzprämie" von 31 Euro Hektar: rund 500.000 Euro in 2019.

Auch der Bund zahlt für den Wolf: Seit Juli können Schäfer, die mit ihren Herden durch Gebiete mit Wölfen ziehen, für Schutzvorkehrungen Unterstützung des Bundes beantragen. Aus einem Förderprogramm steht nach Angaben des Agrarministeriums gut eine Million Euro bereit.

Der empfohlene Mindestschutz vor Wölfen besteht in den meisten Bundesländern aus einem 90 Zentimeter hohen Elektrozaun mit 2000 Volt Spannung. Über einen stärkeren Schutz von Weidetieren vor Wolfsattacken wird seit Längerem diskutiert.

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insgesamt 47 Beiträge
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mg0031 10.08.2019
1. darüber regt sich niemand auf
zitiert aus der SZ // In Bayern haben Wölfe im vergangenen Jahr 5 Schafe und 3 Kälber gerissen. Viehhalter erhielten dafür 2780 Euro Entschädigung vom Staat. Diese Zahlen sollte man sich merken, wenn Politiker wieder einmal die Gefahren durch den Wolf herauf beschwören und sich selbst bei dieser Gelegenheit als Schutzpatrone inszenieren. Zum Vergleich: Im Jahr 2016 wurden in bayerischen Tierkörperbeseitigungsanlagen 51250 tote Schafe eingeliefert, von denen viele auch deshalb verendeten, weil sich die Behandlung durch einen Tierarzt wirtschaftlich nicht lohnte. Als sich kürzlich ein Jungbär nahe der bayerischen Grenze herumtrieb, erinnerte der Amtstierarzt im österreichischen Reutte daran, dass alleine in Tirol jedes Jahr mehrere Tausend Schafe auf den Almen verschwinden – einfach so. Sie stürzen ab oder sterben an Krankheiten.//
arr68 10.08.2019
2. Und wie teuer ist so ein Waldbrand?
Warum muss man Natur immer in Euro berechnen? Müssen Menschen demnächst auch einen Lebensberechtigungsschein beantragen und CO2 Steuer für ihre Abluft bezahlen? Wenn der Wolf genug zu fressen findet und Herden wieder so mit Hunden und Eseln geschützt werden wie es schon viele Jahrhunderte früher, dannregelt sich das schon ein.
Pinky McBrain 10.08.2019
3. Wir müssen es ja haben
Ich bin fest davon überzeugt, dass der Wolf das gleiche Recht hat, durch deutsche Wälder zu laufen, wie alle anderen auch. Aber müssen wir wirklich jedes Jahr 17.500 € pro Wolf ausgeben? Das muss billiger gehen!
equigen 10.08.2019
4. 14 Millionen für Umweltschutz - 140 Millionen für Klimakreuzfahrt
Was sind 14 Millionen um dem Wolf wieder einen Lebensraum zu geben im Vergleich zu den 140 Millionen die die 12 monatige Kreuzfahrt von Klimaaktivisten (Forschungsaufenthalt von Klimaforschern auf einem eingefrorenen Eisbrecher) in der Arktis kostet? Nix! Und dabei wird auch nicht die Gegend mit Abgasen von Schiffen und Versorgungsflugzeugen verdreckt, sondern höchstens ein paar Schafe gerissen die ein paar Monate später geschlatet werden würden.
matze2019 10.08.2019
5. Wölfe in Deutschland
Ich finde es gut, dass es sie wieder bei uns gibt. Das ganze Gejammere und negativpropaganda finde ich widerwärtig. Für den Schutz der schafherden sollten die Schäfer sich herdenschutzhunde zulegen, so wie in Rumänien, ggf mit Unterstützung der öffentlichen Hand.
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