Anhörung im Bundestag Was tun mit dem Wolf?

Der Umgang mit den nach Deutschland zurückgekehrten Wölfen bleibt unter Experten umstritten. Das zeigt auch eine Anhörung im Bundestag. Ein Schäfer warnte, ein Wolfsangriff sei "ein Trauma für Mensch und Tier".
Wölfe in einem Tierpark in Baden-Württemberg (Archivbild)

Wölfe in einem Tierpark in Baden-Württemberg (Archivbild)

Foto: Sebastian Gollnow/ dpa

Deutschland diskutiert über den Wolf - und manchmal geht es dabei um ziemlich fundamentale Fragen. Zum Beispiel darum, wie viele der Raubtiere eigentlich wieder im Land leben. Doch noch nicht einmal dazu gab es in einer Anhörung des Bundestags-Umweltausschusses am Mittwoch Übereinstimmung. Ähnlich umstritten war auch die Frage, ob der Wolf in Deutschland wieder gejagt werden soll - und ob dies eigentlich die Situation von Tierhaltern verbessern würde.

Wolfgang Köck vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung verwies im Ausschuss darauf, dass der Wolf sowohl durch das Berner Übereinkommen als auch eine europarechtliche Richtlinie geschützt sei. Bei einer "Minimumpopulation" von 1000 erwachsenen Tieren könne "theoretisch auch eine Bejagung wieder in Betracht" kommen. Derzeit gebe es hierzulande aber nur 150 erwachsene Wölfe. Daher stelle sich die Jagd-Frage "gegenwärtig nicht".

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Wölfe in Deutschland: Begegnung mit einem Raubtier

Foto: Axel Gomille

Dagegen sprach beispielsweise Eberhard Hartelt vom Deutschen Bauernverband nach Angaben des Bundestags-Pressedienstes von mehr als 1000 Wölfen, die zu Beginn dieses Jahres in Deutschland lebten. Die Ängste der Tierhalter und der Menschen im ländlichen Raum müssten ernst genommen werden. Es dürfe nicht länger einen "uneingeschränkten Freilandversuch zu Gunsten des Wolfes geben" - vielmehr sei ein "Management der Wölfe" nötig.

Helmut Damman-Tamke vom Deutschen Jagdverband wies darauf hin, dass die Zahl der Wölfe in Deutschland "exponentiell" wachse. Die Politik habe diese "Dynamik" aber "nicht erkannt". Andreas Schenk vom Bundesverband Berufsschäfer plädierte für eine Weidetierprämie. Notwendig seien zudem ein Kompetenzzentrum Herdenschutz und bundeseinheitliche Standards im Umgang mit dem Wolf.

"Wir sind schon lange dabei unterzugehen", so Schenk. Die Schafhaltung gehen auch da zurück, wo es keine Wölfe gebe. Die Schäfer fordern eine Weidetierprämie vom Bund, die insgesamt bis zu 40 Millionen Euro pro Jahr kosten würde.

"Der Wolf ist nicht Schuld am Niedergang der Schafhaltung, die Verantwortung dafür tragen Politik und Gesellschaft", sagte Schenk vor den Fachpolitikern. Dennoch sei jeder Wolfsangriff "ein Trauma für Mensch und Tier, schon die Angst davor ist unerträglich".

Das Thema Wolfsmanagement und Herdenschutz wird seit geraumer Zeit in Deutschland kontrovers diskutiert. Während die FDP den Wolf zur Jagd freigeben will und auf seine starke Vermehrung verweist, betonen die Grünen, dass Wölfe mit problematischem Verhalten schon jetzt abgeschossen werden dürften.

Wölfe breiten sich in Deutschland seit Jahren weiter aus, was zunehmend zu Konflikten mit Menschen führt. Die Tiere sind nach deutschem und europäischem Naturschutzrecht streng geschützt. Um Wölfe zur Jagd freizugeben, müsste die EU den Schutzstatus der Tiere ändern.

Video: Die Rückkehr der Wölfe - Raubtier mit Imageproblem

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chs/AFP/dpa
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