Wuchernde Metropolen Anatomie der Klimakiller

Riesige asphaltierte Flächen, Häuserschluchten, Abgase, Hitzesäulen: Großstädte ragen wie Fremdkörper aus der Landschaft. Neue Untersuchungen ergaben, dass Metropolen das Klima nicht nur in ihrer unmittelbaren Umgebung, sondern auch weltweit stören können.



Mit einem Arsenal an Weltraumtechnologie und Überwachungsstationen am Boden haben US-Forscher die Umwelteffekte von Großstädten untersucht. Das Ergebnis: Rund um Metropolen fällt deutlich mehr Regen, und die urbanen Kolosse wachsen rapide. Manche Millionenstädte vergrößerten ihre Fläche zwischen 1990 und 2000 um bis zu 25 Prozent.

Wie Marshall Shepherd vom Goddard Space Flight Center der Nasa und Steve Burian von der University of Utah jetzt beim Herbstreffen der American Geophysical Union in San Francisco erklärten, kommt es in den Sommermonaten im Windschatten von Städten wie Houston und Atlanta zu verstärkten Regenfällen. Die Forscher hatten Wetterdaten aus den Zeiträumen von 1940 bis 1958 und 1984 und 1999 verglichen und einen signifikanten Anstieg der Niederschläge festgestellt.

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Bilder aus dem All: Städte wachsen rapide

Foto: NASA

Städte sind im Durchschnitt bis zu 5,6 Grad Celsius wärmer als ihre Umgebung, erklärten die Wissenschaftler, die für ihre Studie das weltweit erste Weltraum-Regenradar an Bord des "Tropical Rainfall Measuring Mission"-Satelliten benutzten. Urbane Hitzeinseln lassen demnach die Luft über den Städten schneller steigen, unterschiedlich hohe Gebäude verändern die Luftströmungen, zugleich kommt es in Küstenstädten zu Wechselwirkungen mit Seewinden. Die Wolkenbildung über den Städten werde so verstärkt, wodurch es im Hinterland zu schweren Regenfällen und Gewittern komme.

Die Erkenntnisse von Shepherd und Burian werden gestützt von einer Studie von Daniel Rosenfeld. Der Forscher der Hebräischen Universität in Jerusalem fand heraus, dass von Menschen freigesetzte Aerosole ebenfalls zur Verstärkung von Regenfällen in der Nähe von Großstädten beitragen können. Rosenfeld glaubt, dass die winzigen Partikel zahlreiche Oberflächen bieten, an denen sich Wasser sammelt. Dadurch werde die Bildung von größeren Tropfen verlangsamt, so dass der Regen erst im Hinterland der Städte niedergehe - dort aber umso heftiger.

Robert Dickinson vom Georgia Institute of Technology vermutet, dass sich die Effekte vieler einzelner Städte zu einem möglicherweise weltweiten Einfluss summieren. Insbesondere die Asphaltierung großer Flächen mit ihrer Wirkung auf Hitzeentwicklung und Entwässerung könne einen enormen Einfluss auf globale Klimamodelle haben.

Bisher aber ist fast nichts über die globale Wirkung der Verstädterung bekannt, obwohl sie beständig wächst. In einer von der Nasa finanzierten Langzeit-Studie kam Annemarie Schneider von der Boston University zu dem Ergebnis, dass nicht nur die Millionenstädte in Zweit- und Drittweltstaaten schnell wachsen. Auch nordamerikanische Metropolen wie Atlanta, Georgia und Calgary haben demnach zwischen 1990 und 2000 bis zu 25 Prozent an Fläche zugelegt.

Die Forscherin benutzte Bilder des Nasa-Satelliten Landsat, um die Ausdehnung mehrerer Großstädte über zehn Jahre zu beobachten. "Städte wie Shanghai und Johannesburg sind stark gewachsen, und wir brauchen Karten, um das nachzuvollziehen", erklärte Schneider. Solches Material sei nicht nur wichtig für Studien zu Klimaentwicklung, Energie- und Wasserwirtschaft. Sozialforschern könne es tiefe Einblicke in die Mechanismen des globalen Bevölkerungswachstums und die Auswirkungen wirtschaftlicher Aktivitäten geben.

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