Infektionskrankheiten Forscher finden uralten Bilharziose-Erreger

Er wandert in Nieren, Blase und andere Organe und lebt bis heute in den Tropen. Forscher haben ein uraltes Ei des Bilharziose-Erregers entdeckt. Es verrät, dass sich der gefährliche Parasit dank einer Erfindung des Menschen ausgebreitet haben könnte.

Parasit: Bilharziose verbreitet sich durch die Larven eines Wurms, der durch die Haut in den Körper einwandert
Corbis/ Science Photo Library

Parasit: Bilharziose verbreitet sich durch die Larven eines Wurms, der durch die Haut in den Körper einwandert


Im Norden Syriens haben Wissenschaftler ein 6200 Jahre altes Ei des gefürchteten Bilharziose-Erregers gefunden. Der Fund gebe Aufschluss, wie die Wurmerkrankung zu einer Plage wurde, die heute Hunderte Millionen Menschen trifft, heißt es in einem Artikel im Fachmagazin "The Lancet Infectious Diseases".

Die Arbeit der Wissenschaftler um Piers Mitchell von der Universität Cambridge im Vereinten Königreich war Fleißarbeit: Archäologen und Biologen untersuchten 26 Skelette, die sie in der historischen Grabstätte Tell Seidan im Norden Syriens gefunden hatten. Mit einem höchst aufwendigen Verfahren nahmen sie das Sediment unter die Lupe, das sich in der Beckengegend der Skelette befand. So entdeckten sie schließlich das winzige, über die Jahrtausende versteinerte Ei eines Saugwurms der Gattung Schistosoma, des Erregers der Bilharziose.

Unbeabsichtigtes Souvenir

Von der Bilharziose sind Hunderte Millionen Menschen in den tropischen Regionen Asiens, Afrikas und Lateinamerikas betroffen. Als unerwünschtes Reisemitbringsel findet die Infektionskrankheit auch ihren Weg nach Europa. Erst kürzlich wurden auch Infektionen von Reisenden unter anderem aus Deutschland bekannt, die in Korsika Ferien gemacht hatten.

Ausgelöst wird die Krankheit durch die Larven des Wurms, die sich in Süßwasser tummeln. Der Parasit dringt durch die Haut hindurch in den Körper des Menschen ein und wandert später als erwachsener Wurm in Nieren, Blase und andere Organe. Dort legt er seine Eier ab, die über Urin oder Kot ausgeschieden und so weiterverbreitet werden. Die Infektion, die sich in der Regel durch Blut im Urin äußert, kann langfristig unter anderem zu Nierenversagen und Blasenkrebs führen.

Von Asien nach Afrika

Neuere DNA-Untersuchungen des Wurms legen den Schluss nahe, dass der Parasit sich zunächst in Asien entwickelte und von dort nach Afrika und weiter ausbreitete. Die Wissenschaftler um Mitchell gehen nun davon aus, dass der Wurm davon profitierte, dass der Mensch vor rund 8000 Jahren sesshaft wurde. Der Fundort Tell Seidan liegt im Euphrat-Tal und damit in der Region des Fruchtbaren Halbmonds, einer Gegend, wo der Mensch vermutlich zuerst sesshaft wurde.

Die Menschen bauten in der eigentlich trockenen Region Weizen und Gerste an, dafür errichteten sie Bewässerungssysteme. Beim Waten durch das Wasser in den Kanälen wurden sie vermutlich von den Larven befallen und verbreiten sie weiter.

"Unsere Erkenntnisse legen nahe, dass die Bewässerung von Feldfrüchten vor 6000 Jahren im Nahen Osten der Bilharziose erlaubte, auf die dort lebenden Menschen überzugreifen", schreiben die Forscher. Die Bewässerung könnte damit als erste Technologie in der Geschichte der Menschheit die Ausbreitung einer Krankheit begünstigt haben.

khü/AFP

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