Schwere Vorwürfe gegen Tierschutzorganisation Die Schocktruppen des WWF

Haben sie Paramilitärs ausgerüstet, die mit großer Brutalität operierten? Wie "BuzzFeed" berichtet, sollen sich Umweltschützer des WWF in Afrika und Asien mit kriminellen Wildhütern zusammengetan haben. Das sind die Vorwürfe.

Kampf gegen Wilderer (Symbolbild)
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Kampf gegen Wilderer (Symbolbild)

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Worum geht es?

Die Natur- und Umweltschutzorganisation World Wildlife Fund For Nature (WWF) soll in mehreren Ländern Afrikas und Asiens kriminelle Wildhüter finanziell und logistisch unterstützt haben - das heißt mit technischem Gerät und in manchen Fällen auch mit Waffen.

Die Gruppen sollen unter anderem in Nepal und Kamerun auf brutale Weise gegen angebliche Wilderer, aber auch gegen unbeteiligte Zivilpersonen vorgegangen sein. Dabei seien mehrere Menschen gestorben, weitere seien gefoltert oder sexuell missbraucht worden, heißt es in dem Bericht. Um diese Vorwürfe geht es konkret:

  • Der WWF soll Wildhüter unterstützt haben, die Dorfbewohner mit Gürteln, Macheten und Bambusstäben geschlagen haben sollen. Wildhüter sollen die Menschen auch sexuell missbraucht, beschossen und teils getötet haben.
  • Laut "BuzzFeed" organisierten WWF-Mitarbeiter in Asien und Afrika Anti-Wilderer-Missionen mit brutalen "Schocktruppen". Die Mitarbeiter sollen demnach auch einen Vorschlag unterzeichnet haben, der die Tötung von Eindringlingen vorsah. Der Vorschlag ging dem Bericht zufolge zurück auf einen Parkdirektor, der verantwortlich für den Mord an Dutzenden Menschen sein soll.
  • Der WWF soll Paramilitärs Gehalt gezahlt, sie ausgebildet und ausgestattet haben - darunter mit Messern, Nachtsichtgeräten, Schutzausrüstung und Schlagstöcken. Außerdem soll er Überfälle auf Dörfer finanziert haben.
  • Die Stiftung soll ein weltweites, "gefährliches und geheimes" Netzwerk an Informanten organisiert und finanziert haben, um Wildhüter mit Informationen zu versorgen. Dabei habe der WWF stets bestritten, mit Informanten zu arbeiten.

Wer hat die Vorgänge aufgedeckt?

Das Onlinemagazin "BuzzFeed" hat nach eigenen Angaben ein Jahr lang recherchiert. Am Montag erschien dann ein langer Artikel mit den Vorwürfen gegen den WWF. Für ihn seien mehr als 100 Zeugen befragt und Tausende Seiten an Dokumenten ausgewertet worden, schreiben die Journalisten Tom Warren und Katie J.M. Baker. Auch die nepalesische Zeitung "Kathmandu Post" war an den Recherchen beteiligt und hat einen Artikel zum Thema veröffentlicht.

Wie reagiert der WWF?

Die WWF-Zentrale hat eine Presseerklärung veröffentlicht, wonach die Anschuldigungen von unabhängiger Seite untersucht werden sollen. Nach einem Bericht des "Guardian" ist damit die britische Anwaltskanzlei Kingsley Napley beauftragt worden. "Der Respekt vor den Menschenrechten steht im Zentrum unserer Mission", erklärt der WWF in seiner Pressemitteilung. Und der deutsche WWF-Vorstand Christoph Heinrich schreibt: "Wo wir Kenntnis von Menschenrechtsverletzungen durch die Justiz erhalten, müssen wir das adressieren und dazu beitragen, Abhilfe zu schaffen."

Welche Konsequenzen gibt es noch?

In Großbritannien haben bereits Parlamentsabgeordnete beider großer Parteien die Regierung von Theresa May aufgefordert, die Vorwürfe zu untersuchen. Sie beziehen sich auf den Umstand, dass der WWF auch öffentliche Mittel für seine Projekte bekommt. Die frühere Entwicklungsministerin, die konservative Politikerin Priti Patel nannte die vorliegenden Belege "entsetzlich und zutiefst beunruhigend". Der WWF müsse vor der Regierung Rechenschaft ablegen.

Die Uno-Sonderberichterstatterin für die Rechte indigener Völker, Victoria Tauli-Corpuz, sagte, es sei "bedauerlich, dass sich diese Dinge ereignet haben". Sie werde das Gespräch mit dem WWF suchen. Und, auch wenn das nur eine symbolische Geste ist: Der britische Abenteurer Ben Fogle hat sein Amt als WWF-Botschafter nach dem "BuzzFeed"-Bericht niedergelegt.

Woher bekommt der WWF sein Geld?

Der WWF hat im vergangenen Jahr rund 752 Millionen Euro eingenommen, mehr als die Hälfte dieser Summe stammten aus den Spenden von Einzelpersonen. Aus öffentlichen Kassen kamen 18 Prozent des Budgets, normalerweise geht es dabei um die Umsetzung konkreter Projekte. In Deutschland arbeiten das Entwicklungs- und das Umweltministerium unter anderem beim Projekt "Partnerschaft gegen Wilderei und illegalen Wildtierhandel" mit dem WWF zusammen. Neben Privatspendern und Regierungen zahlen unter anderem auch Stiftungen Geld an den WWF. Die Organisation ist nach eigenen Angaben in 100 Ländern aktiv.

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Muss man im Kampf gegen Wilderei nicht notfalls auch auf Gewalt setzen?

Wilderei und Schmuggel geschützter Tierarten ist ein globales Geschäft von gigantischem Ausmaß. Das Büro der Vereinten Nationen für Drogen- und Verbrechensbekämpfung geht von einem Gesamtvolumen im zweistelligen Milliardenbereich aus. Teile des Geschäfts werden von kriminellen Strukturen beherrscht, so kontrollieren nur drei Kartelle den weltweiten illegalen Elfenbeinhandel.

Ihre Ziele setzen Wilderer auch mit Gewalt durch. Da scheint der Gedanke nahe liegend, dass sich auch die Wildhüter bewaffnen müssen. Ihr Job ist gefährlich genug: Der WWF zitiert eine Statistik von International Ranger Federation und Thin Green Line Foundation, wonach innerhalb eines Jahres in Asien und Zentralafrika 48 Wildhüter bei der Arbeit durch Wilderer getötet wurden.

Organisationen wie Survival International zweifeln dagegen grundsätzlich am Konzept, Naturschutz mit Gewalt durchzusetzen. Sie schlagen stattdessen vor, die indigene Bevölkerung der betreffenden Gegend besser einzubinden. Diese würde sich besser um ihre Umwelt kümmern als alle anderen.

insgesamt 131 Beiträge
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Sequester 05.03.2019
1.
"Da scheint der Gedanke naheliegend, dass sich auch die Wildhüter bewaffnen müssen." Wenn die Bewaffnung aber von einer NGO veranlasst wird, dann ist das schon mehr als grenzwertig. Wie muss man denn diesen Satz bei SPON verstehen?
TOKH1 05.03.2019
2. Gewalt vs Gewalt
bin nur noch geschockt, wenn dies tatsächlich als Alternative diskutiert wird. Diese Länder haben Polizei und / oder Militär. Die haben sich darum zu kümmern, im konkreten Einzelfall Hilfe zu leisten und den WWF zu unterstützen. Wenn das hier wahr ist, dann ist das hart zu bestrafen. Niemand ist zu töten oder zu verurteilen durch eine Stiftung!!
patrick_pronnier 05.03.2019
3. tja
Ein Ergebnis dieser Welt, Gewalt wird mit Gewalt bekämpft. Wieso da nicht?
Tolotos 05.03.2019
4. Wie soll man denn gewaltlos gegen gewalttätige Kriminelle vorgehen?
Die Gewalt wird eingesetzt, um die kriminellen Geschäfte durchzusetzen. Und wer grundsätzlich gewaltlos dagegen vorgehen will, der wird dann von den Kriminellen wohl ohne Skrupel gewaltsam beseitigt!
normalversiffter 05.03.2019
5. Skeptisch
Das primäre Wort lautet "soll" laut Sichtung von irgendwelchen Unterlagen. Das der WWF die rechtliche Aufklärung eingeleitet hat, ist genau das richtigen. Vor irgendwelchen Verurteilungen müssen erst mal handfesten Beweise her. Alles andere sind unausgegorene Gerüchte. Schwach vom Spiegel, so was auch noch zu verbreitet. Da erwarte ich als Abo-Nutzer doch mehr als diese Aneinanderreihung von "soll". Denn das wirkt wie eine Rufschädigung, die eine so wichtige Organisation zu Lasten der Tierwelt zerstören kann.
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