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WWF-Studie: Der ausgebeutete Planet

Foto: STRINGER SHANGHAI/ REUTERS

WWF-Studie zum Öko-Fußabdruck Planet in Not

Ökologisch gesehen lebt die Menschheit weit über ihre Verhältnisse. Laut einer WWF-Studie wird die Natur so stark beansprucht, dass eigentlich 1,5 Erden nötig wären, um den Ressourcenbedarf nachhaltig zu decken. Die Folgen für die Lebensräume von Tieren und Pflanzen sind dramatisch.

Berlin - Der weltweite Raubbau an der Natur nimmt nach einer neuen Untersuchung der Umweltschutzorganisation WWF  immer dramatischere Formen an. Die Menschheit beanspruche die globalen Ökosysteme inzwischen derart, dass sie rechnerisch die Kapazität von 1,5 Erden bräuchte, um ihren Bedarf wirklich nachhaltig decken zu können, erklärte der WWF am Montag in Berlin unter Berufung auf eine Studie zum sogenannten ökologischen Fußabdruck. Setze sich der Trend fort, beanspruche die Menschheit bis 2030 doppelt so viel Kapazität, wie die Erde eigentlich bereitstellen könne. 2050 wären es sogar fast dreimal so viele.

Der ökologische Fußabdruck ist eine Messgröße, die veranschaulichen soll, wie die Menschheit, einzelne Länder oder Individuen die natürlichen Ressourcen und die Regenerationsfähigkeit der Ökosysteme beanspruchen. Sie wird in der Einheit globaler Hektar (Gha) angegeben. Ein Abdruck gibt an, wie viel Fläche und damit Biokapazität für einen Lebensstil benötigt wird. Dabei geht es um den Platz für Siedlungen und Nahrungsproduktion, aber auch um die Fläche, die nötig wäre, um den Ausstoß des Treibhausgases CO2 natürlich zu binden.

Nach WWF-Angaben hat sich der ökologische Fußabdruck der Menschheit seit 1966 verdoppelt und wächst weiter. Derzeit beträgt er 18 Milliarden globale Hektar. Umgerechnet auf einen Menschen sind das 2,7 Globale Hektar (Gha). Die Kapazität des Planeten unter der Maßgabe einer natürlichen Regeneration liegt demnach aber bei nur zwölf Milliarden Gha oder 1,8 Gha/Person. "Damit verbraucht die Menschheit 1,5-mal so viel natürliche Ressourcen wie sie sich jährlich erneuern", erklärte der WWF. Das sei in der Gesamtrechnung vor allem der hohen CO2-Emissionen geschuldet.

Einwohner wohlhabender Staaten haben aufgrund ihres Lebensstils und der weit entwickelten Wirtschaft ihrer Länder einen wesentlich größeren ökologischen Fußabdruck als Menschen aus Entwicklungsländern. Die zehn Länder mit dem größten Abdruck pro Kopf sind dem WWF zufolge Katar, Kuwait, die Vereinten Arabischen Emirate, Dänemark, die USA, Belgien, Australien, Kanada, die Niederlande und Irland. Deutschland liegt auf Platz 30. Hätten alle Menschen den Umweltverbrauch eines Deutschen, wären 2,5 Erden zur Bedarfsdeckung nötig, im Fall der USA wären es fünf.

Wirbeltiere in Gefahr

In seiner Studie mit dem Titel "Living Planet Report" schlägt der WWF auch wegen des fortschreitenden Artensterbens Alarm. Weltweit sei die Artenvielfalt seit 1970 um 30 Prozent zurückgegangen, in tropischen Regionen durchschnittlich sogar um 60 Prozent, teilte die Organisation unter Berufung auf einen von ihr zu diesem Zweck erhobenen Index mit.

Besonders dramatisch ist die Situation bei den Wirbeltieren. Die Zahl der Tiger (Panthera tigris) ist seit 1980 um 70 Prozent zurückgegangen. Heute gibt es weltweit noch 3000 bis 3500 frei lebende Exemplare. Besonders bedroht sind die Tiere auf Sumatra und in Malaysia. Grund: Wilderei, weniger Beutetiere und Abholzung der Wälder.

Ähnlich bedroht sind die Flussdelfine, die im Amazonas, aber auch im Ganges, Mekong oder Jangtse leben. Mit Ausnahme des Indus-Delfins, der offenbar von einem Fangverbot profitiert, schrumpfen die Bestände seit Jahrzehnten rapide. Immer mehr Dämme, Überfischung, Umweltverschmutzung sind Gründe dafür, dass der Baiji-Flussdelfin in China nun als ausgestorben gilt.

Bekanntestes Opfer der Überfischung im Atlantik ist der Kabeljau: In den vergangenen 50 Jahren gingen seine Bestände um 74 Prozent zurück. Die stärksten Verluste gab es im Nordwest-Atlantik. Vor Schottland leben kaum mehr als drei Prozent der Menge, die dort vor der industriellen Fischerei zu finden waren.

Der Bestand des im Südatlantik beheimateten Wanderalbatroses ist seit 1972 stark zurückgegangen: Für die Halbierung seiner Bestände sei vermutlich vor allem die Langleinen-Fischerei verantwortlich, in deren Ausrüstung sich die Vögel fatal verfangen.

Der WWF zählt rund 30 Arten auf, die endgültig komplett oder in der Natur ausgestorben sind - darunter das Java-Nashorn (Vietnam), dessen letztes Exemplar 2011 von einem Wilderer erlegt wurde, die in Costa Rica vorkommende Goldkröte, chinesische Weißhandgibbons oder der Waldrons Roter Stummelaffe (Ghana/Elfenbeinküste). Die tatsächliche Zahl ausgestorbener Arten ist jedoch wesentlich größer, da mit gut zwei Millionen nur ein Bruchteil der Gesamtartenzahl bekannt ist, die auf bis zu 100 Millionen geschätzt wird.

hda/AFP/dpa
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