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Virunga-Nationalpark: Kostbares Naturschutzgebiet

Foto: WWF/ Kate Holt

Wert eines Nationalparks Tourismus statt Ölbohrung

Der Virunga-Nationalpark in der Demokratischen Republik Kongo ist die Heimat vieler seltener Tierarten. Doch unter dem Gebiet schlummern womöglich Ölvorkommen. Probebohrungen sind angekündigt. Umweltschützer rechnen nun vor, welchen enormen wirtschaftlichen Wert der Park besitzt - wenn die Natur erhalten bleibt.

Er ist der älteste Nationalpark in Afrika und zählt zu den Weltnaturerbestätten der Unesco: der Virunga-Nationalpark im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Zudem bietet er seltenen Berg- und Flachlandgorillas eine Heimat. Trotzdem sucht hier die Firma Soco International plc nach Öl. Die Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF) befürchtet, dass Ölverschmutzungen, Pipeline-Lecks und das Abfackeln von Gas die Natur im Virunga-Nationalpark zerstören könnten.

Sollten gewerbliche Bohrungen in dem afrikanischen Gebiet erlaubt werden, könnte dies aber nicht nur die Natur beeinträchtigen, heißt es in einer vom WWF in Auftrag gegebenen Studie . Als neue Einnahmequelle könnte illegal abgezapftes Öl Rebellen finanzieren, Konflikte fördern und die Region destabilisieren.

Dabei gibt es aus Sicht des WWF gewinnbringende Alternativen zum Öl für die Region. Durch richtige Nutzung des Ökosystems könnte der Park bis zu 348 Millionen Dollar (263 Millionen Euro) im Jahr einbringen, rechnet die Studie vor. Umweltfreundliche und nachhaltige Methoden könnten den Park zu einem großen Wirtschaftsfaktor machen und etwa 45.000 Arbeitsplätze bieten, so die Schätzungen.

Schon jetzt werden etwa 50 Millionen Dollar pro Jahr auf dem Gebiet des Parks erwirtschaftet. Der Großteil der Einnahmen stammt aus der Fischerei: etwa 30 Millionen Dollar.

Ausbaufähiger Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Doch das ließe sich laut WWF deutlich steigern. Der Tourismus sei dabei für die Umweltschützer mit mehr als 200 Millionen möglichen Dollar pro Jahr der treibende Faktor. Aber auch der Ausbau der Fischerei könnte bis zu 90 Millionen jährlich bringen. Die Gewinne aus der Wasserkraft sollen sich auf zehn Millionen Dollar verdoppeln lassen.

Doch nicht nur direkt mögliche Einnahmen bezieht die Studie ein: Durch ein intaktes Ökosystem wird in der Region die Bindung von Kohlenstoff, die Wasserversorgung und der Erosionsschutz gewährleistet. Auch das lässt sich in einen Geldwert umrechnen. Einen Gegenwert von mehr als 60 Millionen könnte der Park hier entfalten. Insgesamt könnte der Nationalpark daher deutlich über einer Milliarde Dollar pro Jahr wert sein. Der Großteil davon listet die Studie mit 700 Millionen Dollar aber unter dem Punkt "Nichtgebrauchswert".

Der Nichtgebrauchswert sei eine auf aktuellen Daten basierende Schätzung, welche noch ungenutzten oder auch unbekannten Werte zukünftig in dem Gebiet stecken könnten, erklärt Günter Mitlacher vom WWF Deutschland. "Es handelt sich dabei um einen Erfahrungswert. Eine Art Potential des Nationalparks." Der Wert existiere allerdings nur weiter, falls der Nationalpark erhalten bleibe, so der Leiter des Bereichs Biologische Vielfalt beim WWF Deutschland weiter. "Eine Ölförderung würde ihn zerstören."

Der Park hat eine Fläche von fast 800.000 Hektar, ist also etwa halb so groß wie Thüringen.

kpg
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