Umweltschutzorganisation So arbeitet der WWF

Der World Wide Fund for Nature soll in mehreren Ländern kriminelle Wildhüter finanziell und logistisch unterstützt haben. Wie ist die Organisation aufgebaut, und wer finanziert sie? Der Überblick.

AFP

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(Mehr zu den gravierenden Vorwürfen gegen den WWF lesen Sie hier.)

Was macht der WWF?

Der World Wide Fund for Nature (WWF) gilt als eine der mächtigsten Naturschutzorganisationen weltweit. Sie setzt sich in Kampagnen gegen die Abholzung der Wälder und für Klima- und Tierschutz ein. Gegründet wurde die Organisation 1961 von Wissenschaftlern, Tierschützern und Unternehmern. Nach der Unabhängigkeit vieler afrikanischer Staaten, wollten die Gründungsväter des WWF vor Ort stabile Strukturen schaffen, um die dortigen Wildtiere zu schützen.

Heute ist der WWF nach eigenen Angaben aktuell in rund hundert Ländern mit mehr als 1300 Projekten aktiv. Er arbeitet eng mit der Weltnaturstiftung IUCN zusammen. Seit seiner Gründung hat die Organisation rund 13.000 Projekte in 150 Ländern angestoßen, durchgeführt oder gefördert.

Von Anfang an hatte der WWF prominente und auch finanzstarke Fürsprecher. Erster Präsident war Prinz Bernhard der Niederlande. Zwischen 1981 und 1996 war Prinz Philip, Gemahl der Queen, Präsident.

Wie ist der WWF organisiert?

Insgesamt gibt es rund fünf Millionen Förderer und Unterstützer, in Deutschland zählt man derzeit rund 600.000. Formell ist die Organisation eine unabhängige Stiftung nach Schweizer Recht, überwacht von einem zwölfköpfigen Stiftungsrat mit einem Präsidenten an der Spitze. Die operative Führung der Dachorganisation WWF International obliegt dem Generaldirektor Marco Lambertini, Präsident ist derzeit Pavan Sukhdev. Die Zentrale liegt in Gland, im Schweizer Kanton Waadt.

Die weltweiten Tätigkeiten des WWF sind netzwerkartig organisiert. Unterhalb der koordinierenden Dachorganisation gibt es insgesamt 33 Länderorganisationen, die im Grundsatz eigenständig handeln und Spenden sammeln. Unterhalb dieser nationalen Sektionen arbeiten WWF-Programmbüros. Hinzu kommen etliche Partnerorganisationen. Weltweit hat der WWF mehr als 6000 Mitarbeiter.

Wer finanziert den WWF?

2018 nahm das weltweite WWF-Netzwerk 752 Millionen Euro ein. Mehr als die Hälfte der Einnahmen kommen laut Finanzbericht von individuellen Spendern, fast ein Fünftel (18 Prozent) aus dem öffentlichen Sektor und neun Prozent von Unternehmen. 51 Prozent der Ausgaben in Höhe von 654 Millionen setzte der Fund weltweit für Projekte ein. Ein erheblicher Teil des Geldes, fast 20 Prozent, wird allerdings auch in das Fundraising investiert.

Eine der ersten Großspenden kam vom Ölkonzern Royal Dutch Shell. Seit den Siebzigern wird die WWF-Stiftung außerdem durch einen exklusiven Kreis von wohlhabenden Menschen aus Adel, Politik und Wirtschaft, dem "1001 A Nature Trust" unterstützt, deren Namen nicht veröffentlicht werden.

Stand der WWF schon öfter in der Kritik?

Die Umweltschutzorganisation stand immer wieder in der Kritik, unter anderem wegen der vermeintlich zu großer Nähe des WWF zu Konzernen oder wegen der Vergabe von Umweltsiegeln. Es gibt etwa Prüf- und Zertifizierungssiegel für nachhaltigen Fischfang und Waldwirtschaft oder verantwortlich produziertes Palmöl, die der WWF mit aufgebaut hat. So sollen Unternehmen zu nachhaltigem Handeln animiert werden.

Kritiker bewerten das zwiespältig. Mit den Siegeln etwa würden große Konzerne, die umweltschädliche Geschäfte abwickeln, ihr Image reinwaschen. Der SPIEGEL nannte den WWF 2012 "Kumpel der Konzerne". Die Organisation weist derartige Vorwürfe zurück. Man arbeite "unter engsten Voraussetzungen mit Unternehmen" zusammen. Firmen, die soziale oder ökologische Standards missachteten, würden als Partner nicht infrage kommen.

In der Vergangenheit gab es auch Vorwürfe, dass für die Einrichtung großer Schutzgebiete, etwa für Tiger oder Pandas, die einheimische Bevölkerung ihre Heimat verlassen musste. Zudem zweifelten Kritiker die nachhaltigen Erfolge mancher Projekte an.

Mitarbeit: Klaus Falkenberg

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