DNA-Studie Der Yeti? Ist wohl doch nur ein Bär!

Fans des geheimnisvollen Schneemenschen müssen jetzt ganz stark sein. Forscher haben vermeintliche Yeti-Spuren aus Museen und Privatbesitz genetisch analysiert. Und sie sagen: Den Riesen aus dem Eis gibt's gar nicht.

Yetis? Nein. Das sind nur Schauspieler, die im Oktober 2016 in New York für einen TV-Film werben
REUTERS

Yetis? Nein. Das sind nur Schauspieler, die im Oktober 2016 in New York für einen TV-Film werben


Es sieht nicht gut aus für den Yeti - und für alle, die an die Existenz des mysteriösen Schneemenschen in der Himalaya-Region und anderswo glauben: Forscher haben DNA-Proben von angeblichen Yeti-Überbleibseln genauer untersucht und sie fast ausschließlich Bären zugeordnet. Auch frühere Analysen waren zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

Acht der neun untersuchten Proben - gewonnen aus Knochen, Zähnen, Haaren oder Exkrementen - stammen demnach von Asiatischen Schwarzbären, Himalaya-Braunbären oder Tibetischen Braunbären, die neunte von einem Hund. Das berichtet ein Team um die Biologin Charlotte Lindqvist von der University of Buffalo im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B".

"Unsere Ergebnisse legen stark nahe, dass die biologische Untermauerung für die Yeti-Legende in lokalen Bärenarten gefunden werden kann", sagt Lindqvist. "Und unsere Studie zeigt, dass die Genetik in der Lage sein sollte, auch andere, ähnliche Rätsel zu lösen."

Die Studie ist wohl die bisher gründlichste DNA-Analyse angeblicher Yeti-Relikte. Die Forscher gelangten über eine britische Filmproduktionsfirma, die 2016 in einem Film die Herkunft der geheimnisvollen Yetis lüften wollte, an die jetzt untersuchten Überbleibsel. Sie stammen ursprünglich aus Museen oder Privatbesitz.

Proben aus dem Kloster

Ein Stück behaarter Haut von einer Hand oder Pranke, die in einem Kloster aufbewahrt worden war, gehört dazu. Ebenso ein Stück Oberschenkelknochen, das in einer Höhle auf dem Tibetanischen Hochplateau in 4500 Meter Höhe gefunden wurde.

Angeblicher Yeti-Oberschenkel
DPA

Angeblicher Yeti-Oberschenkel

Doch Lindqvist und ihr Team gingen noch einen Schritt weiter: Sie sequenzierten die mitochondriale DNA (mtDNA) weiterer asiatischer Bären - insgesamt von 23 Tieren - und verglichen sie dann mit derjenigen von Bären in anderen Teilen der Welt.

Es zeigte sich, dass Tibetische Braunbären mit denen in Nordamerika und Europa relativ eng verwandt sind. Himalaya-Braunbären hingegen, deren mtDNA nun erstmals komplett entschlüsselt wurde, haben sich evolutionär schon wesentlich früher, vor etwa 650.000 Jahren, abgespalten. In der damaligen Eiszeit hätten die Himalaya-Braunbären vermutlich über längere Zeit hinweg durch Gletscher abgetrennt und isoliert von den anderen gelebt, vermuten die Forscher.

Ihrer Einschätzung nach sind die Ergebnisse nicht nur wichtig, um die Herkunft der Tiere nachzuvollziehen, sondern auch für deren Gegenwart. "Die Himalaya-Braunbären sind vom Aussterben bedroht. Ihre Bevölkerungsstruktur und genetische Vielfalt zu klären, kann auch helfen, ihre Bestände zu schätzen und Managementstrategien zu entwerfen", hofft Lindqvist. Auch die Untersuchung weiterer "Yeti-Relikte" könne dazu beitragen.

chs/dpa



TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.