Yucatan-Meteorit Mega-Einschlag hatte kaum Auswirkungen auf Europa

Ein gigantischer Meteoriteneinschlag in Mittelamerika hat vor 65 Millionen Jahren die Ökosysteme in Europa offenbar nur wenig durcheinandergebracht. Das schließen Forscher aus "Fingerabdrücken" auf fossilen Blättern: Fraßspuren von Schädlingen aus dieser Zeit.

Meteoriten-Einschlag (künstlerische Darstellung): "Diese Spuren sind wie Fingerabdrücke"
DPA/ Don Davis

Meteoriten-Einschlag (künstlerische Darstellung): "Diese Spuren sind wie Fingerabdrücke"


Bonn - Es war vor etwa 65 Millionen Jahren, als ein riesiger Meteorit nahe der heutigen mexikanischen Halbinsel Yucatan auf die Erde krachte. Der Einschlag verursachte einen rund 200 Kilometer messenden Krater ("Chicxulub-Krater"). Riesige Mengen Staub wurden in die Erdatmosphäre geschleudert. Die Sonne verdunkelte sich über längere Zeit, die Temperaturen sanken deutlich ab.

Weltweit kam es zu einem dramatischen Artenrückgang - auch wenn es mittlerweile zahlreiche Stimmen gibt, die den Meteoriten nicht für das Aussterben der Dinosaurier verantwortlich machen. Forscher um Torsten Wappler von der Universität Bonn berichten im Fachmagazin "Proceedings of the Royal Society B", dass der Einschlag für Europa vergleichsweise wenig dramatische Folgen gehabt haben soll.

Bisher habe es dazu nur widersprüchliche und vage Informationen gegeben, doch das habe sich nun geändert: "Wir haben fundierte Belege dafür gefunden, dass die Auswirkungen auf die Ökosysteme der Erde überraschend stark mit der Entfernung vom Einschlagsort abnahmen", sagt Wappler. Deswegen hätten sich Pflanzen und Tiere in Europa viel schneller wieder erholt, als in Nordamerika.

Die Wissenschaftler hatten 61 Millionen Jahre alte fossile Baumblätter mit Fraßspuren von Insekten untersucht und so die Entwicklung der Artenvielfalt analysiert. Diese stammten von einer Fundstelle aus der Auvergne in Frankreich. "Diese Spuren sind wie Fingerabdrücke", sagt Jes Rust von der Universität Bonn, der ebenfalls an der Studie mitgearbeitet hat. "Wir können damit das pflanzenfressende Insekt identifizieren."

In ihrem Artikel berichten die Forscher, dass der Rückgang der Insektenfauna in Europa längst nicht so dramatisch gewesen sei wie in Nordamerika. Das habe sich aus Vergleichen mit fossilen Blättern aus Nordamerika ergeben. Europa habe außerdem die Folgen des massiven Einschlages viel schneller überwunden. Fünf Millionen Jahre nach dem Crash habe es auf dem alten Kontinent wieder genauso viele Arten wie vor dem Einschlag gegeben. In Amerika habe dies doppelt so lange gedauert, berichteten die Forscher.

chs/AP



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