Yukon über Europa Der schönste Sturm des Jahres

Ein Tiefdruckgebiet über dem Nordatlantik beeindruckt Meteorologen. Yukon ist nicht nur schön, sondern auch originell - und wird das Wetter in Deutschland noch eine Zeit lang bestimmen.

NASA


Der ungemütliche Maianfang hat einen Namen: Yukon. So heißt das gigantische Tiefdruckgebiet, das sich zur Wochenmitte über dem Nordatlantik streckte und derzeit seine Regenwolken über Europa verteilt.

Von unten sehen Betrachter die dunkle Bewölkung, von oben aber sorgte Yukon für Schwärmerei: "Meteorologischer Augenschmaus" twitterte der Deutsche Wetterdienst nach Sichtung der Satellitenbilder.

Die Nasa schrieb von einem "hurrikanartigen Sturm", der sich Nordwesteuropa näherte - und sagte korrekt tagelang Regen, Sturm und Gewitter für die Britischen Inseln voraus.

Doch trotz der Ähnlichkeit - Yukon verrät sich eindeutig als Tiefdruckwirbel: Während Hurrikane kreisrund sind und von aufsteigender Warmluft über warmem Wasser angetrieben werden, bilden Tiefdruckgebiete eine asymmetrische Form - sie werden vom Temperaturgegensatz zu den Polen angefacht.

Hurrikane blasen zwar meist heftiger, die Sturmfront eines Tiefdruckgebiets kann jedoch ein größeres Gebiet erfassen. Yukons Wolkenschleppe wölbte sich 2200 Kilometer vom Nordmeer bis vor die Küste Portugals.

Am Mittwoch zerfaserte der imposante Wirbel bereits ein wenig, seine Wolken streunen über Europa.

Der Kontinent liegt mitten auf einer Westwindautobahn: Ständig formen sich über dem Nordatlantik in der sogenannten Westwindzone Sturmwirbel - angefacht von kalten Luftmassen aus Norden, die auf milde Luft aus Süden treffen.

Yukon ist nicht nur schön, sondern auch originell: Denn die meisten Stürme drehen auf zwischen Oktober und April, wenn der Temperaturunterschied zwischen Norden und Süden größer ist, sodass verstärkt Luft in die Tiefdruckgebiete gesogen wird. Die aufsteigende Luft kühlt ab, Feuchtigkeit kondensiert zu Regenwolken.

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Der Mai begann hierzulande kühler als üblich, den April aber wärmten Südwinde wärmer als normal. Mit 9,6 Grad lag der Temperaturdurchschnitt um 1,3 Grad über dem April-Durchschnitt der Jahre 1981 bis 2010. Zudem war es sonniger und trockener als gewöhnlich im April, was die vielerorts in Deutschland herrschende Dürre verschlimmerte.

Weltweit rückte der vergangene Monat auf Platz zwei in der Liste der wärmsten Aprile seit Beginn der Messungen vor gut hundert Jahren.

Der Mai hingegen macht kühler weiter: Während Yukon allmählich zerfleddert, bringt das Tief weiterhin wechselhaftes Wetter für Deutschland bei Tagestemperaturen von meistens über zehn Grad.

boj



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