Krebserregende Substanzen Gen macht aus Zimmerpflanze Schadstofffilter

Luftschadstoffe entstehen auch in Wohnungen. Zimmerpflanzen könnten Abhilfe schaffen, hat eine Studie gezeigt. Dafür haben die Forscher die Pflanzengene verändert - und eines von Hasen eingebaut.

Forscherteam mit Zimmerpflanzen
Mark Stone/University of Washing/DPA

Forscherteam mit Zimmerpflanzen


Zimmerpflanzen fristen manchmal ein kümmerliches Dasein. Gerne vergisst der ein oder andere das regelmäßige Gießen - übrig bleibt dann meist ein würdeloses Gestrüpp. Dabei könnte sich die Pflege durchaus lohnen - zumindest, wenn man kein Problem mit der Gentechnik hat.

Denn Forscher haben die Efeutute, eine auch in Deutschland beliebte Zimmerpflanze gentechnisch so verändert, dass sie gesundheitsgefährdende Stoffe aus der Luft filtern kann.

Dafür schleuste ein Team um Long Zhang von der University of Washington in Seattle ein Protein in die Pflanze, das Schadstoffe abbaut. Ihre Studie stellten die Wissenschaftler nun im Fachblatt "Environmental Science and Technology" vor. Die Efeutute (Epipremnum aureum) braucht kaum Licht und bildet meterlange Triebe.

Die Wissenschaftler suchten einen Weg, um potenziell gefährliche Stoffe möglichst einfach aus der Luft zu filtern. Dabei konzentrierten sie sich auf Chloroform und auf Benzol. Beide Chemikalien stehen im Verdacht Krebs auslösen zu können. Chloroform kann den Forschern zufolge beispielsweise beim Duschen aus gechlortem Wasser entstehen, Benzol ist ein Bestandteil von Benzin und eher in Garagen zu finden.

"Das sind alles stabile Verbindungen. Deshalb ist es wirklich schwer, sie loszuwerden", sagt Stuart Strand, der an der Studie beteiligt war. Ohne Proteine, die diese Moleküle abbauen, müsste man sehr viel aufwendigere Maßnahmen ergreifen. "Es ist soviel einfacher und nachhaltiger, eine Zimmerpflanze mit entsprechenden Proteinen auszurüsten."

Schon länger ist bekannt, dass das Protein Cytochrom P450 2E1 flüchtige organische Verbindungen wie Benzol und Chloroform abbauen kann. Alle Säugetiere verfügen über dieses Protein, auch der Mensch. Es kommt in unserer Leber vor.

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Die Forscher bauten nun in die Efeutute eine Variante jenes Gens ein, das für die Bildung von P450 2E1 verantwortlich ist - es stammte aus der DNA von Hasen. Anschließend testeten sie, wie effektiv die modifizierte Zimmerpflanze, die nun in jeder Zelle P450 2E1 bildete, die Stoffe Benzol und Chloroform abbauen konnte.

Dazu packten die Forscher modifizierte und normale Efeutute-Pflanzen in Glasröhrchen und setzten sie sehr hohen Schadstoff-Konzentrationen aus. Ergebnis: Bei den normalen Pflanzen tat sich nichts. In den Röhrchen mit modifiziertet Efeutute hingegen nahm die Chloroform-Konzentration innerhalb von drei Tagen um 82 Prozent ab, am sechsten Tag war kaum noch Chloroform nachweisbar. Die Benzol-Konzentration sanken langsamer, am achten Tag war sie aber immerhin um 75 Prozent verringert.

Die Forscher schränken ein, dass die bei den Versuchen verwendeten Schadstoffkonzentrationen aus technischen Gründen rund eine Million Mal höher waren als in normaler Raumluft. Allerdings erwartet das Team um Strand, dass die Pflanzen die Schadstoffe unter normalen Bedingungen genauso schnell oder sogar noch schneller abbauen. Bisher handelt es sich bei den Versuchen allerdings nur um reine Labortests ohne geplante Anwendungsbereiche.

Damit die modifizierten Pflanzen ihre maximale Wirkung entfalten können, muss die Luft über ihre Blätter bewegt werden, beispielsweise mit Hilfe eines Ventilators. "Wenn man eine Pflanze in einer Zimmerecke stehen hat, hat es auch einen gewissen Effekt", sagt Strand. "Aber ohne Luftstrom dauert es sehr lange, bis ein Molekül aus der anderen Ecke des Hauses zu der Pflanze kommt."

joe/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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saprebupad 21.12.2018
1.
Nur so als Info: Mit den Grünen hätte es das nicht gegeben. Die wollen jegliche Genforschung verbieten.
biofri 21.12.2018
2. Chloroform-Entstehung sehr fraglich
Wenn man die Synthesewege von Chloroform kennt, fragt man sich, wie beim Duschen mit gechlortem Wasser Chloroform entstehen soll. Die Behauptungen des Autors sind nicht nachvollziehbar - leider übernimmt der Redakteur unkritisch diese sehr fragwürdige Behauptung. Abgesehen davon, hätte die gentechnische veränderte Efeutute im grün-gentechnikfeindlich indoktrinierten Deutschland selbst bei bester Funktionsweise keinerlei Zukunft.
Jöel L. 21.12.2018
3. Klappern gehört zum Geschäft
Wer Forschungsgelder braucht tut gut daran, fogende Themenkreise im Zusammenhang mit seiner Forschung zu erwähnen: Gesundheit, heute Umweltschutz vor Arbeitsplätzen. In China kann man auch noch mit Erhöhung der militärischen Schlagkraft punkten. Heute macht sich CO2 senke auch noch gut. Hach, das tun die Pflanzen ja auch schon ohne Gentechnik... ,-)
fred_m 21.12.2018
4. "Nur so als Info"
Zitat von saprebupadNur so als Info: Mit den Grünen hätte es das nicht gegeben. Die wollen jegliche Genforschung verbieten.
Nur so als Info: wenn man Pflanzen so ändern kann, dass sie Schadstoffe abbauen können, dann kann man sie bestimmt auch so ändern, dass sie Schadstoffe aufbauen statt sie abzubauen. Ich bin froh, dass die Grünen ein gewisses Mindestmaß an Sicherheit haben möchten, bevor sie so etwas absegnen.
mundusvultdecipi 21.12.2018
5. Die Grünlilie....
..ist schon seit Jahren bekannt als Rumluftfilter(Benzol)Ganz ohne Grentechnik: https://www.google.com/url?sa=t&rct=j&q=&esrc=s&source=web&cd=1&cad=rja&uact=8&ved=2ahUKEwibtM-ao7HfAhXLI1AKHRh9C00QFjAAegQIChAB&url=https://www.gartenjournal.net/gruenlilie-luftreinigung&usg=AOvVaw2M2rOLERhpOPCeL9h2_1yw
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