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Neandertaler: Keine Kannibalen

aus DER SPIEGEL 51/1990

War Kannibalismus unter Neandertalern an der Tagesordnung? Archäologen neigten bislang zu der Annahme, Urahnen des Homo sapiens hätten die Leichen von Artgenossen nicht selten verspeist. Als Beweisstücke galten in Fachkreisen versteinerte Skelettreste, die am Fundort meist verstreut herumlagen und deutliche Nagespuren aufwiesen. Nun aber haben die Forscher erkannt, daß die prähistorischen Gebißmale von Hyänen stammen, die sich einst an den Neandertaler-Leichnamen gütlich getan hatten. Zahnspuren der struppigen Leichenfledderer, die es nachweislich schon vor 50 000 Jahren gab, fanden sich auch am Paradestück der Kannibalismus-Theoretiker, einem Neandertaler-Schädel mit klaffenden Löchern in der Hirnschale. Zwar seien in grauer Vorzeit Verstorbene mitunter rituell entbeint worden, niemals jedoch zu Ernährungszwecken, meinen die Forscher, die dafür ein weiteres Indiz vorweisen: Niemals seien in den versteinerten Fäkalien der Urmenschen Reste kannibalischer Mahlzeiten gefunden worden.

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