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Medizin Neue Waffe für Gentherapeuten

aus DER SPIEGEL 14/1995

Drei Mediziner der University of Wisconsin in Madison haben ein Verfahren zur gentechnischen Behandlung von Tumoren entwickelt und an Mäusen erfolgreich erprobt. Mit einem pistolenähnlichen Gerät feuerten sie Schrotladungen von Goldkügelchen, die mit bestimmten Genmaterialien überzogen waren, in dicht unter der Haut von Mäusen liegende Tumore. Bei dem auf den Minigeschossen aufgebrachten Erbmaterial handelte es sich um sogenannte Cytokin-Gene, welche die Krebszelle zur Cytokin-Produktion veranlassen. Für die körpereigene Immunabwehr ist dies ein Alarmzeichen, sie beginnt weiße Blutkörperchen zu produzieren, welche den Tumor angreifen. Der Vorteil des neuen Verfahrens, so berichten Wenn Sun, William Ershler und Ning-Sun Yang in den Proceedings of the National Academy of Sciences, liege darin, daß es »mit der Genpistole möglich ist, die Gene direkt in die Zelle einzubringen«. Bislang mußten sich Forscher dazu bestimmter Viren oder kleiner Fettkügelchen bedienen, beides zeitaufwendige Verfahren mit ungewissen Erfolgsaussichten. In einigen Monaten, so hoffen die US-Mediziner, könnte ihr Verfahren erstmals in klinischen Studien an Menschen erprobt werden.

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