Crispr-Forschung Chemie-Nobelpreis geht an Gentechnikerinnen

Sie galten schon lange als Favoritinnen für die Auszeichnung: Der Nobelpreis für Chemie geht an die Forscherinnen Emmanuelle Charpentier und Jennifer A. Doudna für die Entdeckung der Genschere Crispr-Cas9.
Emmanuelle Charpentier (l.) und Jennifer A. Doudna (r.): Der Nobelpreis gilt als höchste Auszeichnung für Wissenschaftler

Emmanuelle Charpentier (l.) und Jennifer A. Doudna (r.): Der Nobelpreis gilt als höchste Auszeichnung für Wissenschaftler

Foto: Eloy Alonso/ REUTERS

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm hat bekannt gegeben, wer in diesem Jahr den Nobelpreis für Chemie erhält: Die Auszeichnung geht an die Genforscherinnen Emmanuelle Charpentier aus Frankreich und Jennifer A. Doudna aus den USA für die Entdeckung der Genschere Crispr-Cas9.

Charpentier und Doudna gelten seit Jahren als Favoritinnen für den Nobelpreis. Die Forscherinnen entdeckten, dass sich bestimmte bakterielle Gene eignen, um daraus Werkzeuge zur Genmanipulation herzustellen. Die Methode wird zum Editieren des Genoms genutzt.

Eigentlich dient die Genschere Bakterien zur Abwehr von Angreifern wie etwa Viren, die ihr Erbgut in die DNA einbauen. Inzwischen arbeiten aber Tausende Forscher mit dem Werkzeug, das Gensequenzen zerschneiden, ausschalten oder durch andere ersetzen kann - bei Viren, Pflanzen, Tieren und auch beim Menschen. Wissenschaftler nutzen die Genschere Crispr-Cas9 seit ihrer Entdeckung vor acht Jahren als eine Art Wunderwaffe, um fehlerhafte Bereiche in der DNA - sogenannte Mutationen - gezielt anzusteuern und zu korrigieren.

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Das renommierte Magazin "Science" zählte 2013 die Entdeckung von Crispr-Cas9 zu den Top Ten der wichtigsten wissenschaftlichen Leistungen. Das "Time Magazine" setzte Charpentier und Doudna 2015 auf die Liste der weltweit einflussreichsten Persönlichkeiten. Die französische Charpentier arbeitet als Direktorin der Max-Planck-Forschungsstelle für die Wissenschaft der Pathogene in Berlin. Zuvor forschte sie am Helmholtz-Zentrum für Infektionsforschung in Braunschweig. Doudna ist Professorin an der renommierten Berkeley University im US-Bundesstaat Kalifornien.

Zu ihrer Auszeichnung sagte Charpentier: "Mein Wunsch ist es, dass dies eine Botschaft an junge Mädchen sendet, die den Pfad der Wissenschaft beschreiten wollen, und ihnen zeigt, dass auch Frauen in der Wissenschaft durch ihre Forschungen Einfluss haben können."

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"Lebenswissenschaften revolutioniert"

Crispr-Cas9 habe die molekularen Lebenswissenschaften revolutioniert, neue Möglichkeiten für die Pflanzenzüchtung gebracht, trage zu innovativen Krebstherapien bei und könne den Traum von der Heilung vererbter Krankheiten wahr werden lassen, begründete das Nobelpreis-Komitee die Auszeichnung. Charpentier und Doudna machten eines der schärfsten Werkzeuge der Gentechnologie nutzbar.

Die renommierteste Auszeichnung für Chemiker ist in diesem Jahr mit insgesamt zehn Millionen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert - eine Million Kronen mehr als im Vorjahr. Die feierliche Übergabe der Preise findet traditionsgemäß am 10. Dezember statt, dem Todestag des Stifters Alfred Nobel.

Seit 1901 wurde der Chemie-Nobelpreis an 183 verschiedene Forscher vergeben. Einer von ihnen, der Brite Frederick Sanger, erhielt ihn zweimal. Unter den Preisträgern waren bislang fünf Frauen, etwa Marie Curie 1911, die die radioaktiven Elemente Polonium und Radium entdeckte.

Am Montag war der Nobelpreis für Medizin den Virologen Harvey J. Alter (USA), Michael Houghton (Großbritannien) und Charles M. Rice (USA) zuerkannt worden. Sie hatten maßgeblich zur Entdeckung des Hepatitis-C-Virus beigetragen.

Am Dienstag war verkündet worden, dass der deutsche Astrophysiker Reinhard Genzel den Nobelpreis für Physik erhält. Er hatte zugleich mit der US-Forscherin Andrea Ghez das supermassereiche schwarze Loch im Zentrum unserer Milchstraße entdeckt. Zusammen mit ihnen wird der Brite Roger Penrose geehrt, der erkannte, dass die Bildung von schwarzen Löchern eine Vorhersage der Allgemeinen Relativitätstheorie ist.

Am Donnerstag folgt die Bekanntgabe des diesjährigen Nobelpreisträgers für Literatur und am Freitag desjenigen für Frieden.

2019 ging der Chemie-Nobelpreis an den US-Amerikaner John Goodenough, der als Sohn amerikanischer Eltern in Jena geboren wurde, den gebürtigen Briten Stanley Whittingham und den Japaner Akira Yoshino. Sie hatten wiederaufladbare Lithium-Ionen-Batterien entwickelt, die in zahlreichen Produkten wie Mobiltelefonen, Laptops und Elektrofahrzeugen eingesetzt werden. Der 1922 geborene Goodenough war mit damals 97 Jahren der bislang älteste Mensch, dem ein Nobelpreis zuerkannt wurde.

koe/dpa/Reuters
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