Neue Virusvariante Omikron in Südafrika auf dem Vormarsch

Die Omikron-Variante entwickelt sich offensichtlich in Südafrika zum dominanten Virusstamm, in 74 Prozent der im November untersuchten Proben wurde sie gefunden. Damit verdrängt die Mutante Delta – zumindest regional.
Social Distancing in einem Krankenhaus bei Johannesburg

Social Distancing in einem Krankenhaus bei Johannesburg

Foto: Shiraaz Mohamed / AP

Die als »besorgniserregend« eingestufte Coronavariante Omikron wurde inzwischen in 24 Ländern nachgewiesen. Neue Zahlen aus Südafrika deuten darauf hin, dass die Mutation die vorherrschende Deltavariante regional verdrängen könnte. In 74 Prozent der im November untersuchten Coronaproben sei Omikron festgestellt worden, teilte die Gesundheitsbehörde NICD laut »Guardian« mit.

Die Mutation entwickelt sich demnach zumindest in Südafrika zum vorherrschenden Virusstamm. Außerdem meldet das Land eine höhere Zahl an Neuinfektionen, wobei der genaue Zusammenhang noch unklar ist. In den vergangenen beiden Wochen sei der Anstieg »exponentiell« gewesen, sagte NICD-Expertin Michelle Groome. Innerhalb von einer Woche stieg die Zahl der festgestellten Neuinfektionen von 1300 auf mehr als 8500 pro Tag.

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wurden bislang keine Todesfälle im Zusammenhang mit der Omikron-Variante gemeldet. Wichtig sei nun vor allem, die weltweite Impfquote zu steigern.

DER SPIEGEL

Der »wahre Feind« sei Delta

In Frankreich warnte der Gesundheitsberater der Regierung, Jean-Francois Delfraissy, dass Omikron bis Ende Januar die dominierende Variante des Coronavirus sein könnte. Es sei mit einem raschen Anstieg der Fälle zu rechnen. Wie die meisten Experten betonte er aber auch, dass der »wahre Feind« aktuell noch immer die Delta-Variante sei.

Weltweit arbeiten Wissenschaftler unter Hochdruck daran, die neue Variante zu erforschen und erste Risikoeinschätzungen abzugeben. Daten über die Ansteckungsgefahr könnten »innerhalb weniger Tage« vorliegen, teilte die WHO mit. Auch die Wirksamkeit der vorhandenen Impfstoffe gegen Omikron wird nun untersucht.

Biontech-Chef Uğur Şahin erwartet, dass der bestehende Covid-19-Impfstoff des Mainzer Herstellers auch bei der neuen Variante Schutz vor schweren Erkrankungen bietet. »Wir halten es für wahrscheinlich, dass Geimpfte einen deutlichen Schutz gegen schwere Erkrankungen, die durch Omikron verursacht werden, haben werden«, sagte Şahin.

Es gebe bisher keine Hinweise, dass Infektionen mit Omikron schwerer verliefen. Man wisse aber noch nicht, ob das Virus infektiöser sei und sich schneller ausbreite als die derzeitige Delta-Variante. »Das Einzige, was mich momentan beunruhigt, ist, dass es Menschen gibt, die noch gar nicht geimpft sind«, fügte Sahin hinzu. US- Immunologe Anthony Fauci, Chef-Berater von US-Präsident Joe Biden, empfahl Erwachsenen mit vollständigem Impfschutz eine Auffrischung (»Booster«).

Uno-Generalsekretär kritisiert Reiseverbote

Wissenschaftler haben seit Beginn der Pandemie darauf hingewiesen, dass sich immer wieder neue Virusvarianten entwickeln könnten, solange große Teile der Weltbevölkerung nicht geimpft sind. Es gebe eine »toxische Mischung« aus zu geringen Impfquoten und zu wenigen Tests, meinte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Die größte Herausforderung bleibe aber die global vorherrschende Delta-Variante.

Passagiere im Flughafen in Kapstadt

Passagiere im Flughafen in Kapstadt

Foto: David Silverman / Getty Images

Omikron war zuerst in Südafrika von Ärzten identifiziert worden. Wo es seinen Ursprung hat, ist aber noch unklar. In Europa breitet sich die Variante offenbar bereits seit Mitte November aus, wie nochmalige Untersuchungen von Proben zeigten. Diese waren in den Niederlanden am 19. und 23. November genommen worden – bevor die Forscher in Südafrika Alarm schlugen.

Die das südliche Afrika treffenden Reisebeschränkungen sorgen auch deshalb zunehmend für Kritik. Einzelne Länder sollten nicht durch Flugverbote isoliert werden, das sei inakzeptabel, sagte Uno- Generalsekretär António Guterres. Die Maßnahmen seien nicht nur unwirksam, sondern auch ungerecht. Stattdessen sollten die reichen Länder mehr dafür tun, dass Impfstoffe fairer verteilt würden.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO haben mindestens 56 Länder Reiseeinschränkungen für das südliche Afrika verhängt, um die Ausbreitung von Omikron zu verlangsamen. Der südafrikanische Epidemiologe Salim Abdool Karim nannte die Reisebeschränkungen gegen sein Land ungeheuerlich.

»Die Botschaft an ein Land wie Südafrika und jedes andere Land lautet im Wesentlichen: Wenn du eine gute Überwachung hast und frühzeitig eine neue Variante entdeckst, dann erzähle das niemandem, denn wenn du es tust, werden sie dich bestrafen, werden sie dich isolieren«, sagte Karim der Deutschen Welle (DW).

Südafrika wurde dafür gelobt, dass es die weltweite wissenschaftliche Gemeinschaft und die WHO so schnell auf Omikron aufmerksam gemacht hat. Nun drohen die Reisebeschränkungen den wichtigen Tourismussektor des Landes lahmzulegen.

fww/rtr
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.