Omikron-Mutation des Coronavirus »Ein Neustart der Pandemie ist unwahrscheinlich«

Wie gefährlich ist die neue Virusvariante? Wer doppelt oder dreifach geimpft wurde, sei vermutlich auch gegen Omikron geschützt, sagt ein AstraZeneca-Entwickler.
Impfzentrum in Basel

Impfzentrum in Basel

Foto: Arnd Wiegmann / REUTERS

Die aus Südafrika stammende Virusvariante Omikron ist offenbar auch in Deutschland eingetroffen. »Nichts ist schlimmer als eine besonders gefährliche Variante in eine laufende Welle hineinzubekommen«, sagte der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in der ARD.

Schon jetzt droht in einigen Regionen ein Kontrollverlust. Die Sorge ist groß, dass mit Omikron nun eine Art neue Pandemie in Europa startet. Davon geht Andrew Pollard, Entwickler des AstraZeneca-Impfstoffs gegen Corona, aber nicht aus: »Es ist sehr unwahrscheinlich, dass es in einer geimpften Bevölkerung einen Neustart der Pandemie geben wird«, sagte der Immunologe von der Universität Oxford am Samstag in einem BBC-Interview.

Auch wenn man einige Wochen warten müsse, um sichere Ergebnisse zu bekommen, gebe es Anlass zur Hoffnung, dass die Impfstoffe gegen schwere Erkrankungen weiterhin wirken würden, so Pollard. Im vergangenen Jahr war in Großbritannien kurz vor Weihnachten die erste deutlich ansteckende Alpha-Variante aufgetaucht und löste eine schwere Welle aus. Damals begannen die Coronaimpfungen gerade erst.

Impfstoffe schnell auf neue Variante anpassen

Die nun im Süden Afrikas entdeckte Omikron-Variante vereint Mutationen, die bereits bei früher als besorgniserregend eingestuften Varianten aufgetreten waren. »Trotz dieser Mutationen haben die Impfstoffe schwere Erkrankungen verhindert, während wir uns von Alpha, Beta und Gamma bis hin zu Delta bewegt haben«, sagte Pollard. Mit anderen Oxford-Forschern und dem Pharmakonzern AstraZeneca hatte er einen Impfstoff entwickelt.

Zudem zeigte sich der Wissenschaftler zuversichtlich, dass die Impfstoffe zeitnah auf die neue Variante hin angepasst werden könnten. Die zunächst in Botswana und Südafrika nachgewiesene Omikron-Variante wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) mittlerweile als «besorgniserregend» eingestuft. Die EU-Gesundheitsbehörde ECDC spricht von ernsthaften Sorgen, dass die Variante die Wirksamkeit der Coronaimpfstoffe erheblich verringern und das Risiko von Reinfektionen erhöhen könnte.

Deutschland steuert auf Lockdown zu

Während am Wochenende in einigen deutschen Städten Zehntausende Fußballfans in die Stadien strömen, wird der Ruf nach Lockdowns und Impfpflicht lauter. »In Teilgebieten Deutschlands mit extrem hohen Inzidenzzahlen wird es ohne einen Lockdown nicht gehen«, sagte Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebunds, der Nachrichtenagentur dpa.

»Unser Gesundheitssystem kommt an seine Grenzen, die Infektionszahlen steigen ungebremst«, so Landsberg. Volle Fußballstadien und Großveranstaltungen setzten ein vollkommen falsches Signal. Die bisher von Bund und Ländern beschlossenen Maßnahmen reichten zur wirksamen Bekämpfung der Pandemie erkennbar nicht aus.

»Gleichzeitig brauchen wir endlich eine mittelfristige Strategie, damit Deutschland nicht in die Endlosschleife der Pandemie gelangt«, sagte Landsberg weiter. »Dazu gehört zum Beispiel die Einführung von Impfpflichten, insbesondere für berufsspezifische Gruppen in medizinischen Berufen und in der Pflege.«

fww/dpa
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