Mehr als 50 Jahre in Gefangenschaft Kommt Orca Toki frei?

1970 wurde Orca-Kalb Toki vor der US-Westküste gefangen. Seitdem performte sie in einem engen Pool in Miami vor Touristen. Tierschützer kämpfen um ihre Freilassung – doch die birgt ein Risiko.
Lolita alias Toki während eines Auftritts zu ihrem 40-jährigen Jubiläum in Seaquarium in Miami

Lolita alias Toki während eines Auftritts zu ihrem 40-jährigen Jubiläum in Seaquarium in Miami

Foto: Jeff Greenberg / Universal Images Group / Getty Images

Der Orca Toki steht nach mehr als 50 Jahren Gefangenschaft vor der Freilassung. Das Seaquarium in Miami hat die Shows mit dem zweitältesten Schwertwal in Gefangenschaft eingestellt. Aktivisten setzen sich dafür ein, dass das Tier seine letzten Jahre in Frieden verbringen kann – und eventuell bei seiner Familie.

Toki, die zu Beginn ihrer Gefangenschaft »Lolita« genannt wurde, wurde als vierjähriger Jungwal von ihrer Mutter und ihren sieben Geschwistern getrennt. Knapp fünf Jahrzehnte musste Toki Shows abliefern – im kleinsten Orca-Becken in Nordamerika. Mit 24 Metern Länge und einer Breite von zehn Metern ist es nur viermal so groß wie das Tier selbst.

Die fünf jungen Orcas, die gemeinsam mit ihr gefangen worden sind, sind mittlerweile gestorben – die meisten von ihnen binnen des ersten Jahres.

Familie schwimmt noch in der Salish Sea

Im Laufe der Jahre hat sich auch Tokis Gesundheitszustand immer wieder verschlechtert. Dennoch haben Experten den Wal als in »bemerkenswert guter Verfassung« beschrieben. So hat Toki zum Beispiel ihren Gefährten Hugo überlebt. Der starb 1980 an einem Hirnaneurysma, nachdem er wiederholt mit dem Kopf gegen die Wand des Beckens gestoßen war.

»Sie ist jeden Tag ein Wunder«, sagte Howard Garrett, ein Walforscher und Aktivist des Orca Network, der sich seit 1995 für die Freilassung von Toki einsetzt, dem »Guardian«.  Es sei gegen jede Wahrscheinlichkeit, dass Toki noch am Leben ist. »Ich denke, es ist ihre geistige Gesundheit, die sie körperlich in guter Verfassung hält.«

Aktivistinnen und Aktivisten kämpfen dafür, dass der Wal in den Pazifik zurückgebracht wird, um dort seine letzten Tage zu verbringen und möglicherweise wieder mit seiner Familie zusammenzukommen. Tokis Mutter, von der man annimmt, dass sie über 90 Jahre alt ist, schwimmt demnach immer noch in den Gewässern der Salish Sea.

Aktivisten kämpfen seit vielen Jahren für Tokis Freiheit

Aktivisten kämpfen seit vielen Jahren für Tokis Freiheit

Foto: Cristobal Herrera-Ulashkevich / EPA-EFE

Die Chancen für eine Freilassung stehen nicht schlecht: 2021 hat das Seaquarium den Besitzer gewechselt. Der neue Inhaber habe sich offen dafür gezeigt, Toki freizulassen.

Eine Reintegration in die Natur würde aber auch Risiken bergen. Wegen der langen Gefangenschaft ist unter anderem nicht klar, ob Toki sich allein ernähren könnte. Deswegen könnte sie auch in einem 40 Hektar großen Gebiet in Nova Scotia ausgesetzt werden, das vom Whale Sanctuary Project betrieben wird.

Außerdem befürchten Experten, dass die Infektionen, die sich Toki in Gefangenschaft zugezogen hat, auf andere Schwertwale übertragen werden könnten. Auch die Frage, ob die Reise aufgrund ihres Alters zu viel für sie sein könnte, kann offenbar nicht abschließend beantwortet werden. Und es gibt Bedenken wegen des Stresses, den eine neue, wilde Umgebung für einen älteren Wal bedeutet.

Was für den Versuch spricht: Toki scheint sich immer noch an ihr früheres Leben mit ihrer Familie zu erinnern. 1996 nahm ein Forscher auf, wie sich Tokis Familie auf den San Juan Islands begrüßte, und Reporter spielten ihr die Aufnahme im Miami Seaquarium vor. Sie schien die Rufe wiederzuerkennen. Obwohl nicht klar ist, ob sie noch mit ihrer Familie kommunizieren kann.

svs
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