Satellitenbild der Woche Der Monsun geht, die Katastrophe bleibt

Heftige Monsunregen sind über Pakistan hinweggezogen, die schlimmsten Fluten seit einem Jahrzehnt folgten. Nun ist das Wasser weg, doch das Elend geht weiter, wie ein Blick aus dem All verdeutlicht.
Satellitenaufnahme von Pakistan im August: Die blauen Flächen zeigen die Überflutungen

Satellitenaufnahme von Pakistan im August: Die blauen Flächen zeigen die Überflutungen

Foto: NASA Earth Observatory

Im August und September brachen heftige Überschwemmungen über Pakistan herein. Heftige Monsun-Regenfälle zogen wochenlang über das Land hinweg und überfluteten eine Fläche von 75.000 Quadratkilometern – ein Areal hundertmal größer als Hamburg.

Inzwischen haben sich die Wassermassen vielerorts zurückgezogen, doch die Katastrophe ist längst nicht vorbei. Felder sind weiterhin überschwemmt, Krankheiten breiten sich aus, Nahrungsmittel werden knapp.

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Satellitenbilder, die vor und nach der Katastrophe entstanden sind, zeichnen die Geschehnisse nach. Links zu sehen ist das Flussdelta des Indus, des wichtigste Strom Pakistans, Ende Juni, das rechte Bild zeigt dieselbe Region Ende August. Die überfluteten Flächen sind blau zu sehen – und damals war noch nicht einmal der Hochstand der Fluten erreicht.

Foto: NASA Earth Observatory / NASA Earth Observatory

Aktuell sieht die Region aus dem All in etwa so aus:

Indus-Delta am 13. Oktober

Indus-Delta am 13. Oktober

Foto: NASA Earth Observatory

Das Wasser hat sich etwas zurückgezogen, doch noch immer sind weite Teile überschwemmt.

Alle drei Bilder stammen vom Infrarot-Radiometer VIIRS an Bord des Satelliten »NOAA-20«. Es handelt sich um sogenannte Falschfarbenbilder. Dahinter steckt nicht etwa Betrug. Es bedeutet, dass die Messgeräte für die Aufnahmen nicht nur sichtbares Licht genutzt haben, sondern auch kurzwelliges Infrarotlicht. Dadurch lässt sich leichter zwischen Wasser (blau) und Vegetation (grün) unterscheiden.

80 Prozent der Reisernte sind verloren

Durch die heftigen Regenfälle sind mindestens 1700 Menschen gestorben, 12.000 weitere wurden verletzt und noch immer bedrohen die Auswirkungen Menschenleben. Vielerorts ist die Infrastruktur zerstört. Die Uno hat alle Nationen aufgerufen, den Menschen in Pakistan zu helfen. Demnach sind 33 Millionen Menschen von der Flut betroffen. Die Schäden seien so massiv, dass die Summe der benötigten Hilfsgelder verfünffacht werden muss, von umgerechnet 164 Millionen Euro auf 839 Millionen Euro.

Überflutete Straße in Karatschi

Überflutete Straße in Karatschi

Foto: ASIF HASSAN/ AFP

In der besonders betroffenen Provinz Sindh gelten 88 Prozent der Baumwollernte als verloren, 80 Prozent der Reisernte und 61 Prozent der Zuckerrohrernte. Etwa 1,1 Millionen Nutztiere verendeten in den Fluten. Krankheiten wie Denguefieber, Cholera und Malaria machen sich breit, die Wasserversorgung ist schlecht, Nahrungsmitteln knapp. Laut Schätzungen harren noch immer eine halbe Million Menschen in Zelten aus, fast acht Millionen Menschen haben ihr Zuhause verloren.

Pakistan sei zur größten Klimakatastrophe der Welt geworden, sagte die Klimaministerin des Landes, Sherry Rehman, bei einer Pressekonferenz vergangene Woche. Expertinnen und Experten rechnen damit, dass sich die heftigen Regenfälle während des Monsuns durch den Klimawandel noch verstärken werden. »Pakistan allein kann den betroffenen Menschen nicht helfen, es braucht große Ressourcen und das schnell«, sagte Rehman.

Die pakistanische Regierung geht davon aus, dass mindestens vier Millionen Hektar Ackerland verloren gegangen sind, noch immer stünden Gebiete unter Wasser. Dabei drängt die Zeit, die neue Ernte muss zwischen Oktober und Dezember gesät werden. Doch es fehlen Saatgut und Düngemittel.

koe/AP
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