Psychologischer Effekt Warum Maskenverweigerer hässlich wirken

Frauen und Männer finden andere Menschen mit Gesichtsmaske inzwischen schöner als ohne. Dabei ist nicht jede Maske gleich. Forscher verweisen auf die Evolution.
Paar mit Maske

Paar mit Maske

Foto: Natalie Zotova / 500px / Getty Images/500px Prime

Ein Forschungsergebnis aus der Kategorie »Wer hätte das gedacht?«: Wer mit einer Corona-Schutzmaske sein Gesicht halb verdeckt, sieht für seine Mitmenschen attraktiver aus als ohne. Das gelte für Frauen und Männer gleichermaßen, fand ein Team der Universität Cardiff heraus. Man sei selbst überrascht von den Ergebnissen der Studie, heißt es.

Die Wissenschaftler baten ihre Probanden beispielsweise, auf einer Skala von eins bis zehn die Fotos von Mitmenschen mit einer einfachen Stoffmaske, einer blauen Medizinmaske oder ohne Maske zu bewerten. Der erste Teil der Studie wurde im Februar 2021 durchgeführt, als sich die Briten bereits daran gewöhnt hatten, Masken zu tragen.

Die Maske lenkt den Blick sofort auf die Augen, meinen die Forscher

Die Maske lenkt den Blick sofort auf die Augen, meinen die Forscher

Foto: Arina Krasnikova / Getty Images

Ähnliche Experimente vor der Pandemie waren zu dem Schluss gekommen, dass Masken die Attraktivität für andere verringern, weil sie mit Krankheiten assoziiert würden. »Wir wollten herausfinden, ob sich dies geändert hat, seit die Masken überall zu sehen sind, und ob die Art der Maske einen Einfluss hat«, sagte der Psychologe Michael Lewis von der Universität Cardiff dem »Guardian«.

Wie die Pandemie psychologisch wirkt

»Die Untersuchung zeigt, dass Gesichter als besonders attraktiv empfunden werden, wenn sie von medizinischen Masken bedeckt sind. In einer Phase, in der wir verletzlich sind, empfinden wir das Tragen von medizinischen Masken möglicherweise als beruhigend und entwickeln Sympathie«, so Lewis.

So wurden Gesichter mit den günstigen, blauen Einwegmasken als attraktiver bewertet als solche mit aufwendigeren und teuren Stoffmasken. Gesichter ohne Maske schnitten stets am schlechtesten ab.

»Die Ergebnisse stehen im Gegensatz zu den Forschungsergebnissen vor der Pandemie, bei denen man davon ausging, dass Masken die Menschen an eine Krankheit denken lassen und dass die Person gemieden werden sollte«, sagte Lewis.

Vermutlich habe die Pandemie evolutionspsychologische Effekte: Während Masken vor der Pandemie Ängste auslösten und abschreckten, stehen Masken heute für Verantwortungsgefühl und gegenseitige Rücksichtnahme – was bei der Partnersuche nicht ganz unwichtig ist. Wer will schon Kinder zeugen mit einem Maskenverweigerer?

Eine weitere denkbare Erklärung sei, dass Masken die Menschen attraktiver erscheinen lasse, weil sich der Blick des Gegenübers automatisch auf die Augen richte. So hätten andere Studien gezeigt, dass Menschen auch dann schöner wirkten, wenn die linke oder rechte Gesichtshälfte abgedeckt werde – das Gehirn setzt die fehlende Hälfte automatisch zusammen, übertreibt aber – wie ein Instagram-Filter.

Bunte Stoffmasken seien weniger attraktiv als die einfachen medizinischen Masken, schreiben die Forscher. Diese beiden scheinen sich trotzdem gefunden zu haben.

Bunte Stoffmasken seien weniger attraktiv als die einfachen medizinischen Masken, schreiben die Forscher. Diese beiden scheinen sich trotzdem gefunden zu haben.

Foto: MoMo Productions / Getty Images

Die Ergebnisse der ersten Studie wurden in der Zeitschrift »Cognitive Research« publiziert. Eine neue Studie ist noch nicht veröffentlicht, die Ergebnisse hätten sich aber bestätigt, teilten die Forscher mit.

fww
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