Astro-Jahresvorschau 2021 Das tut sich in unserem Sonnensystem

Der Mars bekommt Besuch. Und das gleich mehrfach. Nach Jahren des Wartens wird außerdem endlich ein milliardenschweres Teleskop ins All gebracht. Dies und mehr im Ausblick auf das Weltraumjahr 2021.
So könnte es aussehen, wenn Nasa-Rover »Perseverance« und Mini-Helikopter »Ingenuity« auf dem Mars unterwegs sind

So könnte es aussehen, wenn Nasa-Rover »Perseverance« und Mini-Helikopter »Ingenuity« auf dem Mars unterwegs sind

Foto: Cover-Imagee/ imago images

Seit rund 3000 Tagen rumpelt ein Roboterauto über den Mars. Der US-Rover »Curiosity« untersucht mit zehn Instrumenten im Gale-Krater unter anderem die Frage, ob der Rote Planet früher einmal belebt gewesen sein könnte. Etwa 600 Kilometer von dort entfernt steht der Landeroboter »Insight«. Seit rund zwei Jahren versucht er – mit bisher überschaubarem Erfolg – sich in den Boden zu wühlen.

In diesem Jahr sollen nun gleich zwei weitere Forschungsgeräte auf dem Mars landen: der Nasa-Rover »Perseverance« und sein chinesischer Kollege »Tianwen-1«. Beide gehören sozusagen zu den Stars dieser astronomischen Vorschau. Denn während es mit Ausblicken auf das vor uns liegende Jahr in anderen Bereichen des Lebens nicht so einfach ist – wie viel solche Prognosen wert sein können, zeigt der Blick auf diejenigen für 2020 –, stehen im Weltraum ja durchaus ein paar Dinge fest. Und ein paar andere sind zumindest eingeplant, so gut das aktuell eben geht.

Die Marsautos jedenfalls liegen gut auf Kurs. Bei der Landung dürften die Amerikaner die Nase vorn haben, sie peilen den 18. Februar für das gefährliche Manöver an, das diesmal im Gebiet des Jezero-Kraters stattfinden soll.  Auch hier wird es um die Suche nach Lebensspuren gehen. Besonders dabei: »Perseverance« soll spannende Gesteinsproben nicht nur vor Ort analysieren. Er wird sie auch in Metallbehälter verpacken, die bei späteren Missionen zur Erde zurückgebracht werden – auch wenn die noch einige Zeit auf sich warten lassen dürften. Und sogar einen kleinen Hubschrauber namens »Ingenuity« hat das neue Roboterauto an Bord. Es ist das erste Mal, das solch ein Konzept auf dem Mars getestet wird.

»Der Jezero-Krater ist der perfekte Ort, um nach Anzeichen von früherem Leben zu suchen«, so  Nasa-Wissenschaftschef Thomas Zurbuchen. »Perseverance« werde Entdeckungen machen, wegen derer man Fragen darüber, »wie der Mars war und wie wir ihn heute verstehen« neu überdenken müsse.

Europäer und Russen müssen abwarten

Auf wissenschaftliche Ergebnisse ähnlicher Trageweite dürften auch die chinesischen Forscher hoffen, die am 23. April ihr Fahrzeug »Tianwen-1« sicher auf der Mars-Tiefebene Utopia Planitia absetzen wollen. Es wäre das erste Mal, dass China über ein Forschungsgerät auf der Mars-Oberfläche verfügt. Zur Mission gehört auch ein Orbiter, der unter anderem den Mars aus 400 Kilometern Höhe fotografieren und die Daten des Rovers zur Erde weiterleiten soll.

Eine Premiere am Mars wollen in diesem Jahr auch Forscher aus den Vereinigten Arabischen Emiraten feiern. Sie haben mit einer japanischen Rakete ihr erstes Raumfahrzeug zum Roten Planeten geschossen. Der Orbiter »Hope« soll im Februar ankommen und von dort erstmals Klimadaten über ein komplettes Marsjahr hinweg sammeln. Die sollen klären helfen, wie Staubstürme an der Oberfläche dafür sorgen, dass Wasserstoffmoleküle in die hohen Schichten der dünnen Gashülle getragen werden. 

Auch die Staaten der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) hatten ursprünglich große Marspläne für dieses Jahr. Zusammen mit Russland wollen sie das Fahrzeug »Rosalind Franklin« auf der Oberfläche absetzen. Doch die Technik machte Probleme, nach dem Crash des vergleichsweise simplen Landeroboters »Schiaparelli« im Oktober 2016 wollte man keine zweite Bruchlandung riskieren. Nun peilen die Partner eine Landung im Sommer 2023 an.

Neue US-Raumkapsel soll sich beweisen

Mit Technikschwierigkeiten hatte auch die Raumfahrtsparte des US-Konzerns Boeing zu kämpfen – und zwar beim Raumtransporter »Starliner«. Der sollte eigentlich schon längst Astronauten zur Internationalen Raumstation fliegen, als Ergänzung zu den russischen Sojus-Kapseln und den Dragons von Elon Musks Konzern SpaceX. Doch nach einem katastrophalen Testflug ohne Besatzung vor gut einem Jahr verzögerte sich das Projekt.

Boeing »Starliner« in einer grafischen Darstellung: Bisher erst ein Testflug – und der war höchst problematisch

Boeing »Starliner« in einer grafischen Darstellung: Bisher erst ein Testflug – und der war höchst problematisch

Foto: AFP PHOTO / Nasa / Boeing

»Boeing macht solide Fortschritte auf dem Weg, eine zweite unbemannte Testmission zu fliegen und sich auf den Crew Flight Test des Unternehmens im Jahr 2021 vorzubereiten«, sagt  nun Nasa-Managerin Kathy Lueders. Aktuell steht der unbemannte Test für den 29. März in den Büchern, erste Astronauten könnten dann – wenn alles gut läuft – im Sommer fliegen.

Allerdings wird sich bei der Nasa bis dahin wohl so einiges ändern. Die Behörde bekommt einen neuen Chef. Amtsinhaber Jim Bridenstine war von Noch-Präsident Donald Trump ernannt worden und hat bereits angekündigt, unter einer neuen Regierung nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Bridenstine hatte sich im US-Weltraumprogramm, aber auch international, Anerkennung erworben. Nachfolgerin oder Nachfolger werden sich erst einarbeiten müssen.

Neuer Chef für die Esa

Womöglich etwas kürzer könnte diese Einarbeitungsphase beim neuen Chef der Europäischen Weltraumorganisation (Esa) ausfallen. Hier übernimmt zum 1. Juli der Österreicher Josef Aschbacher das Amt in der Zentrale in Paris vom Deutschen Jan Wörner. Dieser hatte immer wieder signalisiert, dass er den Job gern noch länger gemacht hätte, war aber vor allem von der Bundesregierung bei diesen Bemühungen nicht wirklich unterstützt worden.

Sein Nachfolger Aschbacher ist bei der Esa bisher Direktor für Erdbeobachtung. Mit den Herausforderungen der Organisation ist er damit gut vertraut. Dazu gehört neben dem konstant schwierigen Verhältnis zur EU – die Esa hat Mitglieder wie die Schweiz und Großbritannien, die nicht zur EU gehören – auch die Zukunft der europäischen Ariane-Rakete. Deren neuestes Modell, die Ariane 6, sollte eigentlich bereits im vergangenen Jahr ihren Jungfernflug vom Weltraumbahnhof Kourou absolvieren. Nun dauert es wohl bis zum zweiten Quartal 2022. Und billiger wird die Sache auch nicht. Das ist unpraktisch. Auch weil ohnehin noch zu beweisen ist, was die nicht wiederverwendbare europäische Rakete gegen die billige Konkurrenz der Recycling-Raketen von SpaceX ausrichten kann.

Noch mit einer Ariane 5 soll Ende Oktober das Weltraumteleskop »James Webb« starten. Auch dieser Termin ist bereits mehrere Jahre nach hinten verschoben worden. Das Observatorium gilt als teuerstes und – hoffentlich – leistungsfähigstes Teleskop aller Zeiten. Für seinen Start und Betrieb haben sich Europäer, Kanadier und Amerikaner zusammengetan, wie sie es bereits beim legendären »Hubble«-Teleskop getan hatten.

»James Webb« soll 1,5 Millionen Kilometer von der Erde entfernt stationiert werden und auch besonders alte Regionen des Universums mit nie gekannter Präzision abbilden können. Der Aufwand ist gigantisch: Der 6,5 Meter messende Hauptspiegel des Infrarotteleskops ist faltbar gestaltet, damit er in die Rakete passt. Der Sonnenschutz wird ausgeklappt so groß sein wie ein Tennisfeld. Allein die Entwicklungskosten des Geräts liegen bei 8,8 Milliarden Dollar.

»James Webb« -Teleskop in einer Montagehalle der Nasa (2016)

»James Webb« -Teleskop in einer Montagehalle der Nasa (2016)

Foto: KEVIN LAMARQUE/ REUTERS

Mit einem auf der Erde stationierten Verbund von Radioteleskopen hat das Event Horizon Telescope bereits das schwarze Loch im Herzen der Galaxie M87 aufgenommen. In diesem Jahr könnte das Konsortium nun ein Bild präsentieren, auf das Forscher schon lange warten: Es würde das schwarze Loch Sagittarius A* im Zentrum unserer Milchstraße zeigen. Dieses ist zwar deutlich näher an der Erde gelegen als M87. Doch zum einen ist es längst nicht so massereich, zum anderen geht es im Zentrum unserer Galaxie sehr turbulent zu und Sterne sowie Staub und Gas verstellen die Sicht. Deshalb haben sich die Forscher in ihrem komplizierten Bildverfahren zunächst auf M87 konzentriert – auch um eine passende Methode für so ein Bild zu entwickeln. Doch nun soll sich dieses Verfahren bei Sagittarius A* bestätigen und erstmals ein Bild des schwarzen Lochs in unserer Milchstraße entstehen. Neue Messungen waren zuletzt wegen der Corona-Pandemie nicht möglich.

Was das Weltraumjahr außerdem noch bringt? Den Start einer chinesischen Raumstation, vielleicht. Peking darf ja wegen eines Votums des US-Kongresses bei der Internationalen Raumstation nicht mitmachen. Und, auch hier kann man nicht sicher sein, den ersten Testflug eines Starship-Schwerlastraumschiffs von SpaceX. Aktuell laufen suborbitale Tests mit immer größeren Hüpfern. Außerdem soll im Herbst dieses Jahres der deutsche Esa-Astronaut Matthias Maurer zur ISS fliegen, an Bord einer SpaceX-Raumkapsel. Begleiten sollen ihn die Nasa-Astronauten Raja Chari und Thomas Marshburn und ein weiterer Raumfahrer, der womöglich aus Russland kommen könnte. »Cosmic Kiss« will Maurer seine Mission nennen, als Liebeserklärung an den Kosmos. Im Gepäck wird er allein rund 35 Experimente aus Deutschland haben.