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Medikamente Pillenfrohes Frankreich

aus DER SPIEGEL 17/1995

Französische Ärzte verschreiben rund viermal so viele Beruhigungs- und Schlafmittel wie ihre Kollegen in Deutschland oder Britannien. Anti-Depressiva und stimulierende Psychopillen verordnen sie mehr als doppelt so häufig wie deutsche oder britische Ärzte. Zwar leiden Franzosen, wie aus einer neuen Studie der WHO hervorgeht, keineswegs öfter an psychischen Störungen als Angehörige anderer Nationalitäten. Doch während in Paris die Ärzte bei 72 Prozent aller Patienten eine medikamentöse Behandlung für angezeigt hielten, waren es zum Beispiel in Manchester nur 48 Prozent. Denis Pouchain, Dozent an einer Medizinischen Hochschule in Creteil, sieht eine Teilursache in der Mentalität französischer Patienten, die von ihrem Arzt eine Pille erwarten und nicht einen Rat. Zum anderen Teil aber, so Pouchain, verschrieben französische Ärzte auch unter dem Druck der Pharmaindustrie, die sich wegen der straff regulierten staatlichen Preise gezwungen sehe, ins Mengengeschäft auszuweichen. Dafür sorgten die Verkaufsvertreter der Pharmafirmen, von denen es in Frankreich dreimal so viele gebe wie in Großbritannien.

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Einnahme von Psychopharmaka je Einwohner

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