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Plastik unter der Haube

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aus DER SPIEGEL 51/1984

Nach Armaturenbrettern, Türverkleidungen, Sitzen, Stoßstangen und mitunter auch schon ganzen Karosserien wurde nun erstmals auch der Motor eines Automobils zu großen Teilen aus Kunststoffen hergestellt: Ein 318 PS starkes Vierzylinder-Triebwerk, zu rund 60 Prozent aus Kunststoff und nur etwa halb so schwer wie ein herkömmlicher Motor gleicher Leistung, hat in den USA erste Tests absolviert. In einen Lola-Rennwagen eingebaut, stand der Plastik-Motor sogar ein zweistündiges Autorennen auf dem Kurs von Watkins Glen im Staat New York durch (und brachte das Gefährt, bei 56 Teilnehmern, am Ende auf den 35. Rang). »Der Motor ist leichter, leiser und rostet nicht«, lobt der 37jährige Amerikaner Matthew Holtzberg seine Neukonstruktion. Unter anderem bestehen Ansaugrohr und Pleuelstangen, Kolbenmantel und Ventilteller der Holtzberg-Maschine aus dem neu entwickelten, extrem zugfesten Kunststoff Torlon. Stark hitzebelastete Teile wie Kurbel- und Nockenwelle, Ventile sowie der Verbrennungsraum müssen nach wie vor aus Metall gefertigt werden, weil Torlon nur Dauertemperaturen bis zu 260 Grad aushält. Bei Serienproduktion, schätzt Holtzberg, würde der Torlonmotor nur um fünf bis zehn Prozent teurer werden als ein Ganzmetalltriebwerk.

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