Millionen Tonnen zusätzlicher Plastikabfall So ließ Corona die Müllberge wachsen

Schutzkleidung, Masken, Verpackungsmaterial von Medizinprodukten – durch die Coronapandemie ist weltweit eine beeindruckend große Menge an zusätzlichem Plastikmüll angefallen.
Entsorgung von Krankenhausmüll in Kambodscha (im Oktober 2021)

Entsorgung von Krankenhausmüll in Kambodscha (im Oktober 2021)

Foto: Cindy Liu / Getty Images

Die Zahlen sind nur Schätzungen – doch sie sind beeindruckend: Die Coronapandemie hat weltweit allein bis August zu rund 8,4 Millionen Tonnen zusätzlichem Plastikmüll geführt. Grund dafür ist nicht zuletzt der erhöhte Bedarf an Einwegplastik in der Krankenpflege. So jedenfalls rechnen es Forschende von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften und der University of California in San Diego gerade im Fachmagazin »PNAS«  vor. Sie haben Daten aus 193 Ländern ausgewertet – und bilanzieren, dass die Pandemie »den Druck auf ein bereits außer Kontrolle geratenes globales Plastikmüllproblem« verschärfe.

Das Team um die Wissenschaftler Yiming Peng und Peipei Wu geht davon aus, dass ein Großteil des zusätzlichen Corona-Abfalls (rund 87,4 Prozent) in Krankenhäusern entstand, insbesondere in asiatischen Ländern.

Rund 7,6 Prozent der Plastikabfälle seien auf Masken und andere Schutzausrüstung für den privaten Gebrauch zurückzuführen. Auch die Verpackungen von Corona-Heimtests wurden erfasst. Verpackungen für den boomenden Onlinehandel hätten weitere rund 4,7 Prozent des zusätzlichen Abfalls ausgemacht, so die Wissenschaftler.

Zur Einordnung: Laut Umweltprogramm der Vereinten Nationen  (Unep) produziert die Menschheit insgesamt rund 300 Millionen Tonnen Plastikmüll im Jahr. Die zusätzlichen 8,4 Millionen Tonnen machen also nur einen Bruchteil aus – sind aber dennoch eine beeindruckend große Menge.

Der Müllberg wächst weiter

»Kunststoffabfälle schaden dem Leben im Meer und sind zu einem großen globalen Umweltproblem geworden«, so die Forschenden. Mehr als 25.000 Tonnen Corona-Müll seien bereits in die Weltmeere gelangt. Dies stelle ein lang anhaltendes Problem für die Meeresumwelt dar. Innerhalb von drei bis vier Jahren werde ein großer Anteil dieses Mülls entweder an Strände gespült oder auf den Meeresgrund sinken.

Müllentsorgung an einem indischen Krankenhaus (im Mai 2021)

Müllentsorgung an einem indischen Krankenhaus (im Mai 2021)

Foto: Debarchan Chatterjee / NurPhoto / Getty Images

Der Auswertung zufolge wird bis zum Ende des Jahrhunderts sogar fast der gesamte mit der Pandemie verbundene – und nicht anderweitig entsorgte – Plastikmüll entweder am Meeresboden oder an den Stränden landen.

Die Forscher forderten einen besseren Umgang mit medizinischen Abfällen, insbesondere in Entwicklungsländern. Man müsse außerdem davon ausgehen, dass es noch Jahre brauche, um die Pandemie unter Kontrolle zu bekommen. Allein bis zum Ende dieses Jahres könne die so zustande gekommene Menge an Plastikmüll bereits bei insgesamt elf Millionen Tonnen liegen.

chs/dpa
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