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Prähistorische »Berufskrankheiten«

aus DER SPIEGEL 46/1989

Untersuchungen der prähistorischen Gräber in Tall Abu Hureira im östlichen Syrien zeigen, daß schon in der dramatischen Übergangsperiode vom Jäger- und Sammlerdasein hin zur Lebensweise der Ackerbauer und Viehzüchter die ersten »Berufskrankheiten« auftraten. Theya Molleson vom Britischen Museum in London stellte an den Skeletten eine Vielzahl von Knochenschäden an Zehen und Fußknöcheln fest. Im unteren Bereich der Wirbelsäule und an den Knien zeigten sich Symptome von chronischer Arthritis. Den Grund für diese Knochenschäden vermutet Molleson in der Belastung der Frühmenschen beim Mahlen von Getreidekörnern. Sehr wahrscheinlich haben diese Menschen das Korn in knieender Stellung gemahlen, wobei die Zehen zur Stabilisierung des rotierenden Körpers in den Boden gepreßt wurden. Über ein ähnliches Beispiel einer prähistorischen »Industriekrankheit« berichtete Nancy Lovell von der Universität von Alberta. Die Forscherin hatte an den 4000 bis 5000 Jahre alten Skeletten der Einwohner der Stadt Harappa im Indus-Tal Anzeichen für Osteoarthritis gefunden. Bei dieser Krankheit kommt es durch Entzündungen der Gelenke und der angrenzenden Knochenbezirke zu dauerhaften Knochenschäden. Derartige Veränderungen fand Lovell im Hals-Nacken-Bereich, und sie vermutet, daß das Tragen schwerer Lasten auf dem Kopf zu den Dauerschäden führte.

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