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Verhaltensforschung Primaten sind anders

aus DER SPIEGEL 31/1994

Seit mehr als 30 Jahren hielten es Verhaltensforscher und Soziologen für ausgemacht: Der Aggressionspegel klettert beim Menschen und bei den meisten anderen Tierarten um so höher, je mehr Exemplare einer Spezies auf begrenztem Raum leben müssen. Diese Erkenntnis, abgeleitet fast ausschließlich aus Versuchsreihen mit Ratten und Mäusen, treffe offenbar auf Primaten nicht zu, haben jetzt der amerikanische Psychologe Peter G. Judge und der Verhaltensforscher Frans B. M. de Waal vom Yerkes-Primaten-Forschungszentrum in Atlanta herausgefunden. Sie beobachteten mehrere Gruppen von Rhesusaffen, eine der streitlustigsten Primatenarten, sowohl frei lebende (auf einer Insel) als auch solche in Gefangenschaft. Sobald die Tiere in beengten Verhältnissen leben mußten, entwickelten sie eine Reihe von aggressionsabbauenden Verhaltenstechniken - sie verwendeten mehr Zeit auf gegenseitige Körperpflege, die Zahl der Unterwerfungsgesten nahm ebenso zu wie die Zahl familiärer Umarmungen. Insgesamt blieb die Zahl aggressiver Akte bei allen beobachteten Gruppen relativ stabil.

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