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ELEKTRONIK Quakende Cyberkröte

aus DER SPIEGEL 39/1999

Er ist ein Fossil der Computer-Steinzeit: der Sound-Chip »Mos 6581«. Das Sound Interface Device (Sid) wurde anno 1983 für den Heimcomputer Commodore 64 entwickelt. Seine für damalige Verhältnisse enorme Leistung ermöglichte es, Computerspiele mit mehrstimmiger Begleitmusik zu untermalen. Das Gedudel der Soundtracks von Spielen wie »Commando« oder »Wizball« brannte sich in die Hirne einer ganzen Generation von Computerfans. Drei 25-jährige schwedische Ingenieurstudenten wollen die Klangästhetik jener Epoche in der Musik wieder beleben. Das Team um Daniel Hansson hat die »Sidstation« entwickelt, einen Synthesizer im handgebördelten Aluminiumgehäuse, in dem der Mos 6581 sein Werk tut. Nur drei Töne gleichzeitig kann das Gerät erzeugen. Britzeln und Fiepen als Ruhegeräusch verbietet den Begriff Hi-Fi, doch charakterstarken Klängen mit so bizarren Namen wie »Spaceducks« und »Fatburger« tut das keinen Abbruch. »Der Sound der Originalchips des Jahrgangs 1987 ist mit nichts zu vergleichen«, schwärmt Hansson. Manche Töne gemahnen an eine quakende Cyberkröte; andere klingen, als würde Darth Vader furzen oder der Roboter R2D2 durchgekitzelt. Die Fachpresse erhebt die Maschine zum Kultgerät, auch wenn der spartanische Klangerzeuger mit rund 1240 Mark im Internet-Versand nicht gerade billig ist. Techno-Produzenten müssen sich beeilen, denn der Sid-Baustein wird seit 1991 nicht mehr hergestellt. »Über einen Mittelsmann, der nicht verrät, wo sie herkommen, haben wir die letzten 1000 Chips aufgestöbert«, erklärt Hansson, »dann ist endgültig Schluss.«

www.sidstation.com

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