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Rätselhafte »Aura« aufgeklärt

aus DER SPIEGEL 45/1976

Jahrzehntelang beschäftigten die bizarr anmutenden, mal blau und golden schimmernden Erscheinungen die Phantasie von Physikern, Pentagon-Militärs und Parapsychologen. Letztere sahen mit der sogenannten Kirlian-Photographie endlich den Beweis für Übersinnliche, sonst nur Auserwählten sichtbar werdende Psycho-Kräfte erbracht: Auf einem unter Schwachstrom stehenden Film, der beispielsweise mit einem Finger oder Blatt bedeckt wird, entsteht dabei eine Art züngelnde oder kreisförmige Aura. »Vitalströme« seien hierfür verantwortlich, beteuerten die Para-Forscher, nachdem auch Physiker das Schwachstrom-Verfahren. 1939 von dem russischen Ehepaar Semjon und Walentina Kirlian entwickelt. nicht recht zu deuten wußten. Sowjet-Wissenschaftler etwa nahmen an, subatomare Partikel ("Bioplasmakörper") seien auf den Filmstreifen erkennbar. Stanford-Forscher William Tiller dagegen sah »statische Elektrizität« am Werk. Des Rätsels simple Lösung ist, daß menschlicher Schweiß (oder Feuchtigkeit) Urheber der Aura sind. Zu diesem Schluß kommt David Faust. Biophysiker an der amerikanischen Drexel University. der im Pentagun-Auftrag eine Kirlian-Testreihe veranstaltete. Feuchtigkeit, die an den Fingern haftet, verändere die elektrischen Spannungsfelder auf den Filmen, erläutert Faust im Wissenschaftsblatt »Science«. Beispiel: Je feuchter die Finger, desto schwächer ist die elektrische Entladung und um so schwächer ausgeprägt die Aura. Trockene Finger dagegen bewirken eine strahlend helle Aura.

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