Satellitendaten 43 Millionen Hektar tropischen Regenwalds zerstört

Aufnahmen aus dem All zeigen das Ausmaß der Zerstörung: Weltweit wurden in den vergangenen Jahren riesige Flächen Regenwald vernichtet – vor allem durch Brandrodungen. Das birgt gleich zwei Gefahren.
Regenwald in Brasilien nach Brand (Archivfoto vom August 2020)

Regenwald in Brasilien nach Brand (Archivfoto vom August 2020)

Foto: CARL DE SOUZA / AFP

43 Millionen Hektar tropischen Regenwalds sind nach Berechnungen der Umweltorganisation WWF  in den vergangenen Jahren allein in 24 besonders stark betroffenen Gebieten zerstört worden. Das gehe aus Satellitendaten von 2004 bis 2017 hervor, teilte der WWF am Mittwoch in Berlin mit. Den größten Verlust gebe es im Amazonas in den Ländern Brasilien, Kolumbien, Peru, Bolivien, Venezuela und Guyana mit 18,3 Millionen Hektar. Zur Einordnung: Die Fläche Deutschlands beträgt 35,7 Millionen Hektar.

Der WWF betonte, dass auch Verbraucher in Deutschland eine Mitschuld an der Entwaldung trügen. »Für den Anbau von Futtermittelsoja, Kakao und Rindfleisch, das in die EU importiert wird, wird oft Wald vernichtet. Rund ein Sechstel aller in der EU gehandelten Lebensmittel tragen zur Entwaldung in den Tropen bei«, heißt es in der Mitteilung. »Statt nur mit dem Finger auf Regierungen und Landwirte in Entwaldungshotspots zu zeigen, müssen wir uns ebenfalls an die eigene Nase fassen«, sagte die Programmleiterin Wald beim WWF Deutschland, Susanne Winter.

Weiter erklärte sie, dass Regenwälder eine Gesundheitsvorsorge für Mensch und Natur seien. Beispielsweise speicherten sie Kohlenstoff und seien ein wichtiger Lebensraum für Tier- und Pflanzenarten. »Wir müssen daher dringend die Entwaldung aufhalten, sonst stoppt das Leben, wie wir es kennen«, wurde Winter zitiert.

Zu den sogenannten Entwaldungshotspots zählen den Angaben nach auch Wälder auf Borneo (Indonesien, Malaysia), in Paraguay, Argentinien, auf Madagaskar und Sumatra. Fast die Hälfte der noch bestehenden Wälder in solchen Hotspots seien zudem stark zerstückelt, etwa durch Straßen oder Ackerflächen. »Das macht den Wald anfälliger für Trockenheit sowie Feuer und vertreibt dort lebende Tierarten.«

Was Frankreichs Präsident gegen die Abholzung tun will

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat sich erneut für einen stärkeren Anbau von Soja in Europa ausgesprochen. »Eine weitere Abhängigkeit von brasilianischem Soja würde die Abholzung des Amazonas unterstützen«, schrieb er nach einem Besuch bei Biolandwirten in der Gemeinde Tilly am Dienstagabend auf Twitter. »Wir sind konsequent in unseren ökologischen Ambitionen, wir kämpfen dafür, Soja in Europa zu produzieren.« Bereits zuvor hatte Macron eine »Proteinsouveränität« Europas gefordert.

Europa importiert massenhaft Soja aus Lateinamerika – vor allem aus Brasilien. Eine 2020 in der US-Fachzeitschrift »Science« erschienene Studie  beziffert erstmals die Mitschuld des europäischen Konsumenten an der Abholzung des Regenwalds in Brasilien: Etwa ein Fünftel der jährlichen Exporte von Soja und Rindfleisch aus Brasilien in die Europäische Union stehen demnach in Zusammenhang mit illegaler Abholzung im Amazonasgebiet und in der Cerrado-Savanne.

Trotz eines Verbots von Brandrodungen und eines massiven Militäreinsatzes standen 2020 wieder große Flächen des Regenwalds im Amazonasgebiet in Flammen. Allein im August und September wurden Zehntausende Brände gezählt. »Brandrodungen sind zwar derzeit offiziell verboten, doch es geht ungebremst weiter. Die Umweltbehörden wurden entmachtet, Polizeibehörden kontrollieren kaum und Verstöße haben keine Konsequenzen«, kommentierte Juliana Miyazaki von der Gesellschaft für bedrohte Völker die Feuer in Brasilien. »Auslöser der Waldbrände sind meist illegale Rodungen. Es wird entwaldet, das Holz trocknet, dann wird Feuer gelegt. So werden neue Flächen für wirtschaftliche Aktivitäten wie das Agrobusiness frei.«

Umweltschützer machen dafür die Politik des rechtsgerichteten brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro verantwortlich. Die Vernichtung des Amazonaswaldes durch Feuer hat seit Beginn seiner Amtszeit im Januar 2019 dramatisch zugenommen. Bolsonaro bezweifelt die Verantwortung des Menschen für den Klimawandel. Die finanziellen und personellen Ressourcen für den Umweltschutz hat er drastisch gekürzt. 

Der Amazonasregenwald ist der größte tropische Regenwald der Erde. In ihm sind gewaltige Mengen des klimaschädlichen Treibhausgases Kohlendioxid (CO₂) gespeichert. Deshalb ist er von großer Bedeutung für das Weltklima. Zudem enthält er eine riesige Artenvielfalt.

oka/dpa
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