Zur Ausgabe
Artikel 91 / 111
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Retortenzeugung - Teure Tortur

aus DER SPIEGEL 26/1992

Nur jede zehnte Frau, die sich einer künstlichen Befruchtung (IVF) unterzieht, bringt schließlich ein Kind zur Welt. Vielen dieser Patientinnen könnte wirksamer geholfen werden, glaubt der Gynäkologe Hans-Walter Schlößer von der Medizinischen Hochschule Hannover. In rund 40 Prozent aller Fälle ist die weibliche Unfruchtbarkeit laut Schlößer auf einen Defekt der Eileiter zurückzuführen, der durch einen mikrochirurgischen Eingriff behoben werden kann. Die Erfolgsrate dieser Operation liegt mit knapp 30 Prozent etwa dreimal höher als bei der Retortenzeugung. Dennoch bevorzugen die meisten Gynäkologen die IVF-Methode, weil sie das chirurgische Verfahren nur unzulänglich beherrschen. Kritiker Schlößer sieht darin nicht nur einen medizinischen Mangel, sondern auch einen Verstoß gegen das gesetzlich gebotene Wirtschaftlichkeitsprinzip: Für die seelisch belastende IVF-Tortur, die im Normalfall viermal wiederholt wird, zahlen die Krankenkassen etwa 12 000 Mark; die Eileiter-Operation dagegen kostet nur 3500 Mark.

Zur Ausgabe
Artikel 91 / 111
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.