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MEDIZIN »Rettung für Todgeweihte«

Reiner Körfer, 67, Gründer des größten Herzzentrums Europas in Bad Oeynhausen, über die Entwicklung einer künstlichen Blutpumpe
aus DER SPIEGEL 8/2009

SPIEGEL: Sie haben - erstmals wieder nach 20 Jahren in Europa - ein Kunstherz im Tierversuch verpflanzt. Wie verlief der Test?

Körfer: Die ersten Erfahrungen mit dem Modell »ReinHeart« sind überwältigend. Es ist nur 800 Gramm schwer, besteht aus Metall, innen aus Polyurethan und hat einen nahezu verschleißfreien Antrieb. Die Batterie wird von außen induktiv aufgeladen; der Patient bekommt Spulen auf Brust und Rücken gelegt. Es gibt keine Drähte oder Stecker, was die Lebensqualität wesentlich verbessern könnte.

SPIEGEL: Hängen Sie nicht einem Traum nach? Ein vor kurzem in Frankreich unter Geheimhaltung entwickeltes Gerät ist offenbar ein Flop.

Körfer: Ich kenne die Probleme. Auch das allerneueste US-Modell »Abiocor«, angeblich schon serienreif, ist nach nur 14 Implantationen am Menschen aus dem Verkehr gezogen worden - zu viele Schlaganfälle. Doch wir haben wirklich etwas Bahnbrechendes.

SPIEGEL: Was ist das Besondere an Ihrem Gerät?

Körfer: Unser Herzautomat läuft einwandfrei. In den nächsten Wochen wird er in Schweine und Kälber verpflanzt, um die Operationstechnik zu erlernen. Danach sind Langzeitversuche geplant und in spätestens zwei Jahren Tests am Menschen. Unser Ziel ist: Das Gerät muss zehn Jahre störungsfrei im Brustkorb arbeiten.

SPIEGEL: Warum nehmen Sie nicht einfach Spenderorgane?

Körfer: Das ist ja die Crux. In Deutschland stehen 800 Patienten auf der Warteliste für eine Herztransplantation. Doch es gibt nur 380 Spender pro Jahr. Die Leute sterben, ohne dass man ihnen helfen könnte. Darum ist »ReinHeart« so wichtig: Die Maschine soll Todgeweihte retten.

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