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Rückschläge für Atomstrom in USA

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aus DER SPIEGEL 4/1984

Als »potentiell zerstörerisch« für die gesamte amerikanische Atomstrombranche gilt Marktanalytikern das Schicksal zweier Reaktoren. Erstmals verweigerte die Genehmigungsbehörde Nuclear Regulatory Commission (NRC) am 13. Januar die Inbetriebnahme eines fast fertiggestellten Reaktors: Das umgerechnet rund 9,4 Milliarden Mark teure Byron-Kraftwerk der Commonwealth Edison (US-Staat Illinois) darf den Probebetrieb nicht aufnehmen, weil die Bau-Qualitätskontrolle ungenügend gewesen sei. Drei Tage später, am Montag letzter Woche, verkündete dann die Public Service Corporation (US-Staat Indiana), daß sie den Marble-Hill-Reaktor nicht fertigstellen werde - obwohl in das Projekt schon 2,5 Milliarden Dollar investiert worden waren und die Halbzeit-Marke beim Bau schon überschritten war. Die ohnehin skeptischen Geldgeber der Atomindustrie, so William Haugan von der Börsenfirma E. F. Hutton, würden durch das Marble-Hill-Schicksal wohl »noch nervöser« gemacht werden. Daß ausgerechnet Commonwealth Edison vom NRC-Bann getroffen wurde, sei »bedrohlich für die gesamte Atomindustrie« - denn mit sieben in Betrieb befindlichen Reaktoren und 45 Prozent Atomstromanteil galt Commonwealth Edison bislang als Aushängeschild der gesamten US-Kernenergie-Industrie.

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