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Professorin über Klimakrise "Eine Riesenherausforderung, aber auch eine Riesenchance"

Der Klimawandel hat dramatische Folgen für die Gesundheit. Das haben viele Menschen noch nicht verstanden, befürchtet Epidemiologin Sabine Gabrysch. Trotzdem sieht sie Grund zur Hoffnung.
aus DER SPIEGEL 32/2019
Schweizer Lac des Brenets im September 2018 nach Monaten der Dürre

Schweizer Lac des Brenets im September 2018 nach Monaten der Dürre

Foto: Anthony Anex / EPA-EFE / REX / Shutterstock

Sabine Gabrysch, 43, hat seit Juni Deutschlands erste und einzige Professur für Klimawandel und Gesundheit inne. Sie arbeitet an der Berliner Charité und am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung.

SPIEGEL: Frau Professor Gabrysch, wie ungesund ist der Klimawandel?

Gabrysch: Die britische Medizin-Fachzeitschrift "The Lancet" hat es so formuliert: "Der Klimawandel ist die größte Bedrohung für die globale Gesundheit des 21. Jahrhunderts." Dem schließe ich mich an. Leider ist die Schwere dieser Diagnose noch nicht richtig verstanden worden in der Gesellschaft. Die Klimakrise ist ein Thema, das erste Priorität haben muss. Wir haben es hier nicht mit einer leichten Grippe zu tun, wie manche vielleicht meinen, sondern mit einem planetaren medizinischen Notfall.

SPIEGEL: Welche Gesundheitsfolgen sehen Sie für Menschen in Deutschland?

Gabrysch: Bei den künftig häufigeren Hitzewellen kann es zu Flüssigkeitsmangel und Hitzschlag kommen, und insbesondere für Ältere und chronisch Kranke kann die Hitze lebensgefährlich werden. Laut Robert Koch-Institut hat der sogenannte Jahrhundertsommer von 2018 allein in Berlin rund 490 Menschenleben gefordert.

SPIEGEL: Ist die Hitze das einzige Problem?

Gabrysch: Keineswegs. Durch die Erwärmung erhöht sich indirekt die Konzentration von Luftschadstoffen, und die Pollensaison verlängert sich, was Asthmatiker und Allergiker belastet. Waldbrände, Dürren und Überschwemmungen haben natürlich auch negative gesundheitliche Auswirkungen. Insgesamt aber kommen wir in Deutschland mit der Hitze wahrscheinlich noch irgendwie klar, wenn wir uns als Gesellschaft gut organisieren. Das ist in anderen Ländern ganz anders.

SPIEGEL: Nämlich?

Gabrysch: In manchen Gegenden Südasiens, etwa in Indien, ist es jetzt schon oft so heiß, dass man da tagsüber kaum noch rauskann. Und die Zahl dieser extrem heißen Tage wird dort wegen des Klimawandels zunehmen. Das verursacht enorme Probleme, auch für die Arbeitsproduktivität, zum Beispiel in Landwirtschaft und Baugewerbe. Außerdem ist die Ernährungssicherheit in Gefahr.

SPIEGEL: Weil ganze Ernten ausfallen können?

Gabrysch: Die Landwirtschaft ist davon abhängig, dass die Wetterbedingungen vorhersehbar sind. Durch den Klimawandel haben wir es aber häufiger mit Extremwetter zu tun, mal kommt der Regen zu früh, mal zu spät, mal regnet es zu viel, mal zu wenig. Und wenn die Ernten nicht mehr sicher sind, leiden darunter vor allem die Armen und insbesondere die Kinder. Unterernährung in der frühen Kindheit hat massive gesundheitliche Folgen. Der Klimawandel verschärft die weltweite Ungerechtigkeit, denn jene, die am wenigsten beigetragen haben zum Ausstoß von Treibhausgasen, werden am stärksten von den Folgen getroffen.

SPIEGEL: Welche Temperatur kann ein Mensch noch aushalten?

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