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BIOLOGIE Safer Sex mit Mathe

aus DER SPIEGEL 32/2001

Forscher in Santiago de Chile und in Dortmund haben mit Hilfe eines Computermodells eine mögliche Begründung für den rätselhaften Lebenszyklus dreier nordamerikanischer Zikadenarten gefunden. Wie auf Kommando kommen die zirpenden Heerscharen der Spezies »Magicicada septendecim«, »septendecula« und »cassini« aus der Deckung ihrer unterirdischen Domizile hervor, um sich zu paaren - allerdings nur alle 17 Jahre. Das Liebesleben im Primzahl-Rhythmus verblüffte bislang die Biologen. Nun gelang es Physikern, den Lebenszyklus der Tierchen mathematisch zu erklären: Er diene dem Schutz vor Räubern. »Wenn die Zikaden Zyklen mit einer Länge von zwölf Jahren hätten, würden alle Räuber mit einer Fortpflanzungsperiode von zwei, drei, vier und sechs Jahren sie fressen«, sagt Mario Markus, Physiker am Max-Planck-Institut für molekulare Physiologie in Dortmund. Ob die Zikaden tatsächlich im Laufe der Evolution lernten, mathematisch safen Sex zu praktizieren, lässt sich mit dem Modell allerdings nicht beweisen. In der Natur sind nach Auskunft der Forscher keine ähnlich gelagerten Fälle von periodischem Jäger-Beute-Auftreten bekannt.

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