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LINGUISTIK Satzbau-Formel entdeckt?

aus DER SPIEGEL 5/2002

Den Traum gibt es schon lange, nur realisiert hat ihn noch niemand: Wenn alle menschlichen Sprachen in ein einziges Bauschema passten, dann wäre damit das Problem des Übersetzens endgültig gelöst. Bereits vor Jahrzehnten postulierte der US-Sprachforscher Noam Chomsky die Existenz hierarchischer Satzbau-Formeln, die im Hirn aller Menschen sozusagen fest verdrahtet seien. Die Mehrzahl seiner Kollegen bezweifelt das allerdings - sie halten die Sprachen weltweit für viel zu verschieden. Nun aber glaubt der Chomsky-Schüler Mark C. Baker den Durchbruch geschafft zu haben. In seinem Buch »The Atoms of Language« präsentiert Baker, Linguist an der Rutgers University in New Jersey, ein Grammatik-System aus bislang 14 Grundparametern. Selbst voneinander so entfernte Idiome wie Englisch und die Sprache der Mohawk-Indianer glaubt Baker in ein und demselben Struktur-Stammbaum eingefangen zu haben. Ob er Recht hat, muss die Praxis zeigen: Schon 1970 stellte der Logiker Richard Montague eine elegante, knappe Universalgrammatik vor - doch fürs automatische Übersetzen erwies sich sein allzu abstraktes Formelwerk als untauglich.

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