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URMENSCHEN Schädel im Wohnzimmer

aus DER SPIEGEL 2/2003

Dem Tübinger Paläoanthropologen Alfred Czarnetzki ist es gelungen, die Krankengeschichte eines Mannes aufzuklären, der vor rund 32 000 Jahren im Umfeld der südwestdeutschen »Vogelherdhöhle« zu Tode kam. Den Schädel des altsteinzeitlichen Jägers und Sammlers hatten Ausgräber schon vor gut 70 Jahren entdeckt. Erst jetzt aber spürte Czarnetzki, zusammen mit Neurochirurgen aus Schweinfurt, unter dem Schädeldach des Urmenschen die Spuren eines vermutlich tödlichen Hirntumors auf. Das könnte auch das Rätsel klären, warum das Relikt mitten im Wohnraum der Steinzeitjäger gefunden wurde: Hirntumoren, so wissen die Ärzte, können bei ihren Opfern Krampfanfälle auslösen. Der altsteinzeitliche Krebskranke dürfte demnach häufig die Kontrolle über seine Gliedmaßen verloren haben oder wie aus heiterem Himmel in Ohnmacht gefallen sein. Das könnte seine Sippe bewogen haben, den Kopf des offenbar mit überirdischen Mächten im Bunde Stehenden aufzubewahren und wie eine Reliquie in der eigenen Wohnstatt zu hüten.

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