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BÜCHER Schleimpilz, Klonschlaf, Rinderwahn

aus DER SPIEGEL 52/2002

Als der Mensch vor 37 000 Jahren anfing zu zählen, schnitzte er Kerben in die Oberschenkelknochen von Pavianen. Später malte er Zahlen in Keilschrift auf Steinplatten, wie die älteste Rechnung der Welt (für einen Hauskauf in Mesopotamien) zeigt. Der britische Genetiker Peter Tallack hat 250 solcher »Meilensteine der Wissenschaft« in einem üppigen Fotoband zusammengetragen*. Sie illustrieren nicht nur die Entwicklung der Forschung, sondern beschreiben Entdeckungen, die ganze Denkrichtungen beeinflussten: Die Zahl Null etwa hielt im Jahr 876 Einzug in das Konzept der Mathematik, indische Denker entwickelten sie aus einem Punkt-Symbol. Tallacks Auswahl reicht vom Blutkreislauf, den der englische Arzt William Harvey 1628 beschrieb bis zu den Prionen, die ab 1985 britisches Vieh in den »Rinderwahnsinn« trieben. Sie umfasst Schimpansenforschung, Fraktale, Wasserfunde auf dem Mond, das Klonschaf Dolly, die Kartierung des menschlichen Genoms und den wohl ekligsten Meilenstein der Nachkriegszeit: die Entdeckung der Schleimpilzaggregation im Jahr 1947. Gemeint sind Einzeller, die sich bei Nahrungsknappheit zu einer Art Schleimschnecke verbinden, dann eine pilzähnliche Form annehmen und später auseinander fallen. Aus den vom Wind verdrifteten Zellen schlüpfen neue Amöben - ein sich immer neu schließender Lebenskreislauf.

* Peter Tallack (Hg.): »Meilensteine der Wissenschaft. EineZeitreise«. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg; 528 Seiten;49,95 Euro.

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