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Schüsse ins Blaue

150 000-mal träumt der Mensch im Laufe eines durchschnittlichen Lebens. Im Traum kann der Schlafende das Skifahren üben und sogar einen Orgasmus bekommen. Doch worin liegt der Nutzen des Kopfkinos?
aus SPIEGEL Wissen 4/2009

Wenn einer eine Reise tut, kann er davon mitunter nur wenig erzählen. Genau genommen wird von dieser Geistesschwäche beinahe jeder regelmäßig befallen. Es geschieht immer dann, wenn sich der Mensch am Abend auf die Seite dreht und nach einem flugs gebrummten »Gute Nacht« ins Reich der Träume entschwindet.

Nach sechs, sieben Stunden wacht er auf und erinnert sich an einen kruden Gedankensalat. Schlimmstenfalls brabbelt er Unzusammenhängendes - Erlebnisse, die keinen rechten Sinn ergeben und sich schon während des Erzählens rasch verflüchtigen wie jene Kondensstreifen am Himmel, die ein Flugzeug hinterlässt.

War der Träumende nicht durch seine eigene Wohnung gestolpert, die aber überhaupt nicht wie seine eigene Wohnung ausgesehen hat? Er sah dort fremde Menschen, die aber letztlich sein Bruder und seine Schwester waren, am Ende jedoch in Wahrheit er selbst. Sein Bruder und seine Schwester waren trotzdem auch da, sie sprachen in einer fremden Sprache zu ihm, die er aber dennoch verstehen konnte. Schon im nächsten Augenblick befand er sich an einem anderen Ort, in einer Schule, oder war es vielleicht ein Schwimmbad ...?

Derlei aus dem Ruder gelaufene Dramaturgien produziert das Gehirn nur im Schlaf, wenn der Verstand Pause macht und seine Wächterfunktion über alles Gedachte ruht. Im Traum gelingt es uns mühelos, verschiedene Identitäten anzunehmen, unsere große Liebe ohne Worte zu gewinnen oder über Städte hinwegzufliegen wie ein Flugzeug. Mitunter stürzt der Träumende Hunderte Meter tief und spürt sogar im Magen jenes Ziehen, das der freie Fall verursacht. Und doch überlebt er diese Strapaze ebenso wie eine Exekution, deren Horror sich durch eine sehr reale Pulsbeschleunigung beim Träumenden ankündigt.

Träume können schockieren oder einen in einem Gefühl rosiger Zuversicht erwachen lassen. Doch wozu all der kopflastige Zinnober?

Sigmund Freud, Nervenarzt und leidenschaftlicher Kokainkonsument, hatte das Menschheitsrätsel schon vor mehr als hundert Jahren vermeintlich gelöst und damit die Traumforschung begründet. Im Sommer 1895 träumte er in einem Schloss nahe Wien von seiner Patientin Irma, die offenkundig unpässlich war. Eine unreine Spritze musste bei der Frau zu einer Infektion geführt haben, wie Freud noch in der wabernden Realität des Trugbilds diagnostiziert hatte.

Wieder erwacht, reifte in dem damals noch nicht allzu bekannten Erfinder der Psychoanalyse eine Erkenntnis: Träume mussten eine tiefere Bedeutung haben. Ferner folgerte Freud, dass sich in dem nächtlichen Kopfkino insbesondere verdrängte sexuelle Wünsche Bahn brechen würden. Allmählich entwickelte der Nervenkundler eine Art Lexikon der Symbole und Assoziationen, mit dessen Hilfe er die Träume seiner Patienten zu entschlüsseln hoffte.

»Scharfe Waffen, Baumstämme oder Stöcke« galten dem phantasiebegabten Forscher als Traumsymbol des Penis. Der Körper der Frau verwandle sich nächtens im Schlaf hingegen, so mutmaßte Freud, in »Schränke, Wagen und Öfen«. Die Bürger waren verunsichert: Der gewöhnliche Beischlaf wurde im Normalfall verschämt unter der Bettdecke und bei ausgeknipster Nachttischlampe vollzogen. Nun sollte es also vor den sexuellen Implosionen im Hirn nicht mal mehr im Schlummer ein Entrinnen geben. Bei seinen Kollegen avancierte der Psychoanalytiker aus der Wiener Berggasse 19 mit seinen krausen Theorien zunächst vor allem zur Zielscheibe von Empörung, Hohn und Spott.

Dass ein Mediziner die wirren Bildsequenzen überhaupt für wichtig hielt, war revolutionär. Und alsbald wendete sich das Blatt. Für mehr als ein halbes Jahrhundert schien fortan klar, dass der Mensch im Traum von seinen unterjochten Lüsten überwältigt wird. Eine ganze Schule von Freud-Anhängern entstand, die den Träumen als »Königsweg zum Unbewussten« nachspürten.

Doch auch der Widerspruch gegen den Altmeister der träumenden Psyche ist bis heute nicht gewichen. Vom Standpunkt des Mannheimer Psychologen Michael Schredl etwa ist der Wiener Vordenker etwa so weit entfernt wie ein anderer Stern. Schredl gehört zu den wenigen Akademikern, die sich in Deutschland mit Träumen beschäftigen. Er leitet das Schlaflabor am Mannheimer Zentralinstitut für Seelische Gesundheit. Freud? »Der ist viel zu kompliziert«, sagt Schredl. Er glaubt, dass es womöglich gar kein Geheimnis gibt, das am Ende gelüftet werden kann.

Dass Träume einen Nutzen haben, liege zwar nahe, da sie offenbar durch die Evolution erhalten blieben. Andererseits »sind alle Theorien zur Funktion des Traums letztlich nur Spekulation«. Schredl: »Der Traum ist während des Träumens ja nicht zugänglich, ich kann mir nur über den Wachzustand Zutritt verschaffen. Deshalb habe ich immer eine Vermischung des Effekts.«

Eine Studie der US-Forscherin Rosalind Cartwright veranschaulicht das Dilemma: Die Wissenschaftlerin beschäftigte sich mit einer Gruppe Frauen, die allesamt gerade eine Scheidung hinter sich hatten. Cartwright fand in den achtziger Jahren heraus, dass jene Frauen psychisch gesünder und stabiler seien, die von ihren Ex-Männern träumten. So lag die Folgerung nahe, dass die Träume offenbar bei der Bewältigung der belastenden Trennung halfen.

Für plausibel hält Schredl aber auch: »Die Frauen haben sich an den Traum erinnert, darüber gesprochen, und deshalb geht es ihnen besser.« Einen psychoanalytischen Ansatz sieht er gleichwohl: »Träume sind Erlebnisse, und aus Erlebnissen kann ich was lernen, indem ich frage: Was hat der Traum mit mir zu tun?« Nur: Warum überwältigen uns unsere Träume mit derart brachialen Szenarien? »Der Traum drückt eine Angst, die man im Wachzustand hat, übertrieben aus«, erklärt Schredl.

Lange bevor Eugene Aserinsky 1998 als bald 80-Jähriger mit dem Auto gegen einen Baum fuhr und starb, machte er als Doktorand der Universität von Chicago eine bahnbrechende Entdeckung: Er beobachtete, dass Kleinkinder nachts während des Schlafens hinter den Lidern wild mit den Augen rollten. Mit seinem Professor Nathaniel Kleitman fand er dann heraus, dass die Träume offenbar in diesen Rapid-Eye-Movement (REM)-Phasen stattfinden.

Den Nachweis erbrachte William Dement Ende der fünfziger Jahre mit Tests im Schlaflabor. Dement weckte seine Versuchsteilnehmer in der REM-Phase und entdeckte, dass sie sich dann besonders gut an ihre Träume erinnern konnten. Zudem fiel ihm auf, dass die Probanden schon nach wenigen Tagen nervös und reizbar wurden, wenn ihre REM-Phase abgebrochen wurde. Ließ er die Männer diesen Schlaf nachholen, waren die REM-Phasen deutlich ausgedehnt. Dement schloss daraus, dass der REM-Schlaf und der parallele Traum eine biologische Funktion haben müssten.

So begann 1953 der Niedergang der Freudschen These von der Erfüllung verbotener Triebwünsche im Traum. Bald lokalisierten französische Forscher den Ort, der den REM-Schlaf auslöst - der Hirnstamm, zuständig für lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Pulsschlag und Blutdruck, aber von elaborierter Bewusstseinstätigkeit weit entfernt. Mit dieser Erkenntnis änderte sich umgehend die Sicht auf den Traum. Der Psychiater und Neurophysiologe Allan Hobson war sich nun sicher, dass Träume nur ein Nebenprodukt jenes Feuerwerks sind, das unkontrollierte Nervenzellen zünden, und fand dafür eine wohlklingende Metapher: »Träume sind das Geräusch, das ein Gehirn erzeugt, das arbeitet.« Die vordere Großhirnrinde versuche mit den Traumgebilden nur, einen Sinn aus den wilden Signalen zu konstruieren, mit denen sie befeuert wird. Als erklärter Gegner von Freuds Traumdeutung hielt Hobson die ganze Psychoanalyse für »absonderlich«. Allerdings musste er seine eigene Traumtheorie zurücknehmen.

Einige Jahrzehnte später nämlich sorgte der Neurowissenschaftler Mark Solms abermals für einen staunenswerten Durchbruch in der Traumforschung. Der Professor für Neuropsychologie in Kapstadt konnte erstmals nachweisen, dass REM-Schlaf und Traum getrennt voneinander gesteuert werden.

Solms untersuchte Patienten, bei denen durch einen Schlaganfall jene Hirnregion zerstört war, die den REM-Schlaf auslöst. Dabei stellte er fest, dass die Betroffenen dennoch nicht ihre Fähigkeit zum Träumen verloren hatten. Nun fahndete der Forscher nach jenen Hirnregionen, in denen die Träume produziert werden - und wurde fündig: Ein Traumareal befindet sich knapp über den Ohren, im Übergangsbereich zwischen dem Scheitel-, Schläfen- und Hinterhauptslappen des Gehirns. Hier entsteht das räumliche Vorstellungsvermögen.

Die zweite, weit interessantere Traumzone liegt direkt hinter den Augen. Hier verlaufen die Leitungsbahnen jener Nervenzellen, die Hirnforscher heute als bedeutsames Motivations- und Suchzentrum identifizieren - eine Art Motor, der den Menschen durch Ausschüttung neurochemischer Substanzen dazu treibt, seine Bedürfnisse zu befriedigen: Essen, Trinken, Fortpflanzung. Der Wunsch nach dem Schluck Bier brandet hier ebenso auf wie das Verlangen nach Sex. Solms' famose Entdeckung scheint Freuds Theorie von der Sinnhaftigkeit der Träume zu rehabilitieren. »Es ist durchaus möglich, dass Freud doch recht hatte«, glaubt der Wissenschaftler (siehe SPIEGEL-Gespräch Seite 104).

Bei Patienten, deren Frontalhirn und damit ihr Motivationszentrum etwa durch einen Unfall geschädigt war, beobachtete Solms ein Syndrom namens »adynamia": Sie dämmern antriebslos vor sich hin und können auch nicht mehr träumen. Gelöst ist das Rätsel Traum freilich auch damit nicht. Was ist der Nutzen des Geknödels im Kopf?

Für Antti Revonsuo, Forscher am Zentrum für Kognitive Neurowissenschaft an der Universität Turku in Finnland, führt die Antwort zurück zu den Wurzeln der Evolution.

Bei einer durchschnittlichen Lebenserwartung von 75 Jahren träumt der Mensch rund 150 000 Träume in seinem Leben. Ein großer Teil davon fällt in die Kategorie Alptraum. Bis zu viermal in der Nacht wird der Schlafende von Entsetzen und Horror geschüttelt. Revonsuo ließ seine Studenten ein Tagebuch über ihre Alpträume führen. Die Aufzeichnungen strotzten vor gefährlichen Tieren, mordlüsternen Monstern, negativen Gefühlen, Verfolgung und Fluchten, Kämpfen und Nahtoderfahrungen. »Die Traumwelt ist die reinste Hölle.«

Der Forscher rätselte, warum Fremde, Tiere und Kreaturen im Traum unsere Feinde sind. Reiner Zufall? »Dazu sind die Trauminhalte in sich zu gut organisiert«, glaubt Revonsuo. Er ist überzeugt, dass Träume eine Art Trainingsprogramm sind, das Nacht für Nacht die Gefahrenwelt unserer Vorfahren aus der Steinzeit simuliert. Die frühen Völker lebten Tag für Tag jenen Grusel, der uns heutzutage meist nur noch im Bett heimsucht: Wenn sie nicht von einem Säbelzahntiger zerfleischt wurden, drohten ihnen Hunger, Kälte, Krankheiten oder kriegerische Nachbarn. Die Lebenserwartung lag gerade mal zwischen 10 und 20 Jahren.

»Bei diesen Lebensbedingungen macht es Sinn, gewalttätige Begegnungen mit Tieren, Fremden und Naturgewalten zu simulieren - und wie man ihnen entkommt«, sagt Revonsuo. Vorherige Theorien hätten die Funktion des Traums nicht in den evolutionären Kontext gestellt, in den diese gehöre, klagt er. »Wenn das Träumen irgendeinen biologischen Nutzen hat, dann für die Evolution: Es muss das Überleben gesichert und die menschliche Reproduktion befördert haben.«

In der vergleichsweise behüteten Gegenwart findet der Simulationsmechanismus im Kopf freilich kaum noch ausreichend Material, mit dem er seine Gruselstreifen inszenieren kann. Das Gedächtnis gräbt daher uralte Schreckensbilder aus, die sich schon früher bewährt hätten, spekuliert Revonsuo.

Bei der Auswertung kindlicher Traumberichte fühlte er sich bestärkt. In Träumen von Kindern tauchten in noch weit höherem Maße wilde Tiere auf als bei Erwachsenen, und zwar solche, denen sie im Wachzustand allenfalls im Zoo begegnen: Schlangen, Bären, Löwen, Gorillas oder Wölfe. Revonsuos Erklärung für den Aufmarsch der Bestien: Der Nachwuchs müsse besonders intensiv durch die Gefahrensimulation trainiert werden, sein Risikobewusstsein geweckt werden. Hat Revonsuo recht?

Tatsächlich wollen nicht viele Wissenschaftler das Traumgeschehen mit der Evolution legitimieren. »Viele Forscher wollen berühmt werden und wagen deshalb Schüsse ins Blaue«, kommentiert Michael Schredl die Deutung aus Finnland. »Interessant wäre jetzt eine Beweisführung. Wurden wirklich weniger Menschen von Raubtieren gefressen, weil sie träumen?« Schredl hält sich selbst mehr an das, was zweifelsfrei bewiesen werden kann. Etwa an die Tatsache, dass das Gehirn im Schlaf weitaus kreativer ist als im Wachzustand, in dem ein schnelles, aufgabenfokussiertes Denken einsetzt. Der Traum erlaubt hingegen sehr viel weiterläufige Assoziationen. »Wenn ich im Wachzustand Schwarz sage, ist die erste Assoziation mit Sicherheit Weiß. Im Traum gibt es da unendlich viel mehr Möglichkeiten«, sagt Schredl. Denn nachts übernimmt ein anderer Teil des Vorderhirns die Regie, der die Wahrnehmung mit unzähligen Kombinationen von Bildern und Erinnerungen flutet.

Der US-Psychologe William Domhoff hat an der University of California eine der größten Traumsammlungen der Welt zusammengestellt. Um die Bedeutung von Träumen zu entschlüsseln, zerlegte er diese zunächst nach einzelnen Bildern, etwa: »Mutter sitzt auf einem Pferd und raucht.« Dann bekamen die rauchende Mutter und das Pferd Codierungen aus Buchstaben und Ziffern. Auf diese Weise erstellte Domhoffs Team eine Systematik von Trauminhalten. Das Ergebnis überraschte die Forscher: Die mysteriösen Sequenzen ergaben keinen tieferen Sinn. »Träume sind einfach ein Ausdruck davon, wie wir uns und die Menschen um uns herum wahrnehmen«, so Domhoff, »wir haben keinen einzigen Beweis dafür, dass Freuds Theorie der Wunscherfüllung zutrifft.«

Bisherige Erkenntnisse sprächen gegen eine biologische wie gegen eine psychologische Funktion des Traums. Allerdings sei nicht alles überflüssiges Zeug, was nachts zwischen linkem und rechtem Ohr zusammengeträumt werde. »Wir konnten zeigen, dass 75 bis 100 Träume ausreichen, um ein sehr gutes Porträt einer Person zu erstellen. Gebt uns 1000 Träume, verteilt über mehrere Jahrzehnte, und wir erstellen ein Profil seiner Psyche, das so akkurat und einzigartig ist wie der Fingerabdruck dieses Menschen«, verspricht Domhoff.

Von der gelegentlich von Schlafforschern ausgesprochenen Empfehlung, die eigenen Träume zu sammeln, hält der Traumveteran wenig - dazu seien sie nicht wichtig genug. »Wenn du sie nicht gerade unterhaltsam, intellektuell anregend oder künstlerisch inspirierend findest«, rät Domhoff, »vergiss sie einfach.«

Am Institut für Sport und Sportwissenschaft der Universität Heidelberg wird gerade ein Nutzen für Träume entwickelt, der schwer nach Science-Fiction klingt. Der Sportwissenschaftler Daniel Erlacher beschäftigt sich dort vorwiegend mit sogenannten luziden Träumen. In diesem Zustand realisiert der Träumende, dass er träumt - und mit diesem Bewusstsein kann er sogar Einfluss auf das Traumgeschehen nehmen.

Klarträume sind kein neues Phänomen; dass Sportler im Traum jedoch Trainingseinheiten absolvieren können, schien bislang eher abwegig. Erlacher arbeitet jedoch mit Sportlern zusammen, die auf diese Weise ihr Trainingsprogramm erweitert haben. Etwa eine Kunst- und Turmspringerin, die ergänzendes luzides Traumtraining inzwischen ganz selbstverständlich praktiziert: »Ich versuche möglichst kunstvoll Salti und Schrauben oder Auerbachsalti zu machen. Da das Ganze langsam abläuft, wie in Zeitlupe, kann ich auf alle Bewegungsabläufe genau achten«, berichtet die Sportlerin.

Überdies ließ Erlacher Athleten im Traum Kniebeugen machen und zeichnete während der geträumten Übungen die Herzfrequenz auf. Ergebnis: Puls und Atemfrequenz der Probanden gingen während des Trainings im Schlummer deutlich nach oben. Für eine andere Studie ließ Erlacher Freiwillige im Traum Zielwürfe trainieren. Anschließend mussten sie im Wachzustand werfen. Die Ergebnisse verglich der Wissenschaftler mit einer zweiten Gruppe, die gar nicht trainiert hatte. Die Schlafübungen zahlten sich aus: Die Klarträumer schnitten deutlich besser ab.

»Vor allem in Verletzungspausen könnten Spitzensportler das KlartraumTraining nutzen, um ihr technisches Leistungsniveau zu halten«, glaubt Erlacher. Er hat inzwischen sogar Berichte von Fußballern gesammelt, die im Traum ihre Schusstechnik verbesserten. Auch Skifahrer gaben Auskunft darüber, wie sie im verlangsamten Bewusstsein des luziden Traums Schwünge üben.

Die scheinbar grenzenlosen Möglichkeiten des luziden Traums hatte bereits zu Beginn der achtziger Jahre ein Team um den US-Traumforscher Stephen LaBerge ausgelotet. Ganz im Sinne Freuds bat der Wissenschaftler eine im Klarträumen geschulte Probandin, im Traum mit einem Wunschpartner Sex zu haben. Vor dem Abtauchen in die erotische Traumsphäre war die Frau gut verkabelt worden. Hautwiderstand sowie Herz- und Atemfrequenz der Versuchsteilnehmerin wurden gemessen, Daten lieferten überdies ein vaginales Elektromyogramm und eine vaginale Pulsamplitude. An einer Stelle, offenbar dem geträumten Beischlaf, stiegen die Messwerte deutlich an - und erreichten dann einen Höhepunkt.

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