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GENETIK Schwarzer Stammvater der Briten

aus DER SPIEGEL 6/2007

In dem einen oder anderen hellhäutigen Briten steckt eine Portion schwarzafrikanischer Vergangenheit. Bei Gentests haben Forscher eine äußerst seltene Variante des Y-Chromosoms identifiziert, die bisher nur von Einwohnern Westafrikas bekannt war. Dass sich die Sequenz gleichsam zufällig ein zweites Mal auf den britischen Inseln zusammengeschüttelt haben könnte, schließen die Experten von der University of Leicester ebenso aus wie die Vermutung, dass die Variante noch von den Vorfahren des modernen Menschen stammt, die sich vor über 45 000 Jahren von Afrika aus auf den Weg ins heutige Europa machten. Denkbar wäre es, dass der gemeinsame Ahne vieler britischer Männer ein schwarzer römischer Legionär war, der vor 1800 Jahren in Britannien kämpfte - oder ein Gefangener aus Westafrika, den die Wikinger im neunten Jahrhundert aus seiner Heimat verschleppten. Für wahrscheinlicher halten die Forscher indes eine dritte Variante: Demnach wäre der schwarze Stammvater der ahnungslosen Yorkshire-Männer erst im 16. oder 17. Jahrhundert an Bord eines Sklavenschiffs in den Norden gekommen. »Auf jeden Fall«, resümiert Genetiker Mark Jobling, »ist unsere Entdeckung der erste Beweis dafür, dass die Präsenz von Schwarzafrikanern in Großbritannien weit zurückreicht.«

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