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Sex im Käfig - falsche Mäuse

aus DER SPIEGEL 30/1982

Vor Monaten hat eine weiße Labormaus wohl einen Seitensprung gemacht, und das ist für amerikanische Biologen nun ganz schlimm. Das Malheur passierte anscheinend bei den Charles River Breeding Laboratories, weltgrößten Erzeugern von Versuchstieren. Verdacht schöpften Forscher der Universitäten von Wisconsin und Minnesota, als sie feststellten, daß Testmäuse aus mehreren Lieferungen genetisch nicht ganz identisch waren. Sie fürchten nun, die Resultate der mit diesen Mäusen angestellten Experimente seien unzuverlässig. Es geht um einen der bestuntersuchten Stämme von Albinomäusen, der seit 1913 gezüchtet und derzeit vor allem als Standardtier in der Krebs- und Immunforschung verwendet wird. Charles-River-Präsident Henry L. Foster erklärte zwar, die Testprogramme zur Überwachung der Zucht hätten keinen Anlaß gegeben, seine Kunden zu warnen. Doch Zoologie-Professor Robert Auerbach von der Universität Wisconsin beharrt, weil die verdächtigen Mäuse-Populationen nun tot und nicht mehr auf Rasseeinheit zu untersuchen seien, müßten womöglich Hunderte wissenschaftlicher Veröffentlichungen als suspekt gelten.

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