Foto: Nürnberg-Fürther Stadtkanalverein e.V.

Nominierungen für den Leserwettbewerb Wählen Sie das beste Klimaprojekt!

»Wir für unser Klima« ist das Thema des diesjährigen Social Design Awards. Eine Jury hat nun die zehn besten Einsendungen ausgewählt. Bis zum 10. Oktober können Sie für Ihren Favoriten abstimmen.
Von Marianne Wellershoff

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Es geht voran mit dem Klimaschutz – das zeigen die Einreichungen bei dem diesjährigen Social Design Award: Wälder und Blühwiesen werden von Freiwilligen angelegt, Klimaprojekte auf Websites gebündelt, sogar eine Autobahn soll durch einen von Grünflächen umgebenen Kanal ersetzt werden.

Rund 170 nationale und internationale Einsendungen für den Social Design Award »Wir für unser Klima« hat die Jury geprüft und die besten zehn für die Shortlist ausgewählt. Und über diese Shortlist können Sie nun abstimmen: Wählen Sie Ihren Favoriten für den Publikumspreis! Dieser ist, wie der Jurypreis, mit 2500 Euro dotiert.

Das Voting finden Sie unten, am Ende der Shortlist, die Abstimmung läuft bis zum 10. Oktober. Die Gewinner von Publikums- und Jurypreis werden am 8. November 2022 in der neuen Ausgabe von SPIEGEL WISSEN und auf SPIEGEL.de bekannt gegeben. Der Social Design Award wird mit Unterstützung von BAUHAUS ausgeschrieben und vergeben.

500 AKA – 500 Menschen aktiv für Klima- und Artenschutz

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gUG Umweltschutz und Lebenshilfe

23 Biotopflächen auf 72.000 Quadratmetern in und um Osnabrück betreut die gemeinnützige Gesellschaft »Umweltschutz und Lebenshilfe« : Es wurden mit Unterstützung von mittlerweile 932 Freiwilligen Feuchtbiotope geschaffen, rund 20.000 Bäume und Setzlinge gepflanzt, Trockensteinmauern gesetzt, Totholzhecken angelegt. Jede dieser Mitmachaktionen wird mit einem gemeinsamen veganen Essen abgeschlossen, für das, klar, nur Biolebensmittel verwendet werden. Die Flächen werden teilweise über Jahrzehnte gepachtet. Finanziert wird das Projekt von verschiedenen Sponsoren, und es ist auch schon preisgekrönt. Den Initiatoren kommt es nicht nur darauf an, einen direkten Beitrag zum Arten- und zum Klimaschutz zu leisten, sondern sie wollen auch Menschen zum Engagement ermuntern.

Bienenfassade »Unterschlupf²«

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Mareike de Boer

Weit mehr als die Hälfte der 561 Wildbienenarten sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. Ihnen fehlt Nahrung, aber es mangelt auch an Gelegenheiten zum Nisten. Studierende und Lehrende der Peter Behrens School of Arts in Düsseldorf haben in der Modellbauwerkstatt der Hochschule Düsseldorf ein ganz besonderes Bienenhotel entworfen: eine 5 Meter hohe und 2,45 m breite Holzwand, bemalt mit sich aneinander kuschelnden Farbflächen. Darauf montiert sind Eichenbretter, in die Nistlöcher gebohrt sind. Und in dieses künstlerisch gestaltete Bienenhotel fügt sich eine Sitzbank für Menschen ein. Aufgestellt wurde es am Dresdner GEH8 Kulturzentrum. »Das Projekt Unterschlupf²‹ stellt einen Ort der Harmonie zwischen Natur und Mensch dar und fördert das soziale Miteinander«, erklärt das Projektteam. Damit die Bienen nicht hungern müssen, wurden in der Nähe Futterpflanzen ausgesät.

Citizens Forests

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Citizens Forests e. V.

»Aufforstung könnte ein normaler Teil unseres Lebens werden. Alles, was wir dazu brauchen, sind engagierte Pflanzer, Grundstücke und Spenden für Setzlinge«, so heißt es auf der Website  von Citizens Forests. Sieben Flächen in Deutschland und Österreich hat der Verein aus Bönningstedt bei Hamburg mit der Hilfe von Freiwilligen bereits aufgeforstet, und zwar mit sogenannten »Miyawaki-Wäldern«, auch »Tiny Forests« genannt. Durch spezielle Vorbereitung des Bodens und eine besonders dichte Bepflanzung werden Bäume zu einem beschleunigten Wachstum von mindestens einem Meter pro Jahr animiert. Zudem lassen sich solche Miniwälder eben auch auf Miniflächen ab 60 Quadratmetern anlegen. Dabei werden zwanzig bis dreißig verschiedene Baumarten gepflanzt, die dann »natürliche Urwälder« im Kleinstformat nachbilden. So können auch in verdichteten Städten grüne, kühlende Inseln entstehen, die Feinstaub filtern, CO₂ speichern und für Vögel viele Nistmöglichkeiten bieten.

Freiday

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FREIDAY

Die Kultusministerien wollen in den Bildungsplänen »Future Skills« fördern, und die Vereinten Nationen möchten die Menschen dazu bewegen, 17 Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen. Die Schweizerhof Grundschule in Berlin  macht – beides gleichzeitig. Als eine von bundesweit 12 Pilotschulen startete sie vor zwei Jahren den FREIDAY, was bedeutet: In vier zusammenhängenden Unterrichtsstunden arbeiten die Kinder jahrgangsübergreifend an selbst gewählten, nachhaltigen Projekten. Es wurden Hochbeete angelegt, Bäume gepflanzt, alte Handys für den Nabu gesammelt, eine Kleidertauschbörse veranstaltet. Und es gibt noch viele Probleme, die auf Lösungen warten: Taugt der Kompost als Heizung? Was kann man mit Altpapier anfangen? Das Fazit der Schule: »In ihrer FREIDAY-Arbeit lernen die Kinder – neben vielen konkreten Fakten über die Welt – auch Dinge wie Teamarbeit, Scheitern, Verantwortung, Medienkompetenz und erfahren Selbstwirksamkeit, was sie in ihrer Persönlichkeitsentwicklung wachsen lässt.«

Kultur-Energie-Bunker Altona

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KulturEnergieBunkerAltonaProjekt – KEBAP e.V.

Man braucht schon sehr viel Energie und sehr viele gute Ideen, um aus einem Weltkriegs-Hochbunker einen Kultur-Energie-Bunker zu machen . Seit zwölf Jahren arbeitet eine engagierte Gruppe von Menschen in Hamburg-Altona an diesem Pionierprojekt. Machbarkeitsstudien, Bürger:innen-Beteiligungen, Verhandlungen mit Behörden und Politik, Anrufung des Kartellamts, Gründung einer Genossenschaft und, und, und waren Stationen auf diesem langen Weg. Die Zähigkeit zahlt sich aus: Das Ziel, den Bunker zur nachhaltigen Energiegewinnung zu nutzen und ihn für Kultur im Stadtteil umzubauen, zum Beispiel durch die Schaffung von Proberäumen für Musiker, ist in greifbare Nähe gerückt. Und während Anträge geschrieben und Fördermittel gesucht werden, läuft die Alltagsarbeit: Menschen aus dem Quartier betreiben seit einer Dekade Urban Gardening auf dem Gelände, sie kochen gemeinsam und organisieren einen regelmäßigen Kindertreffpunkt.

Nürnberg-Fürther Stadtkanal

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Hajo Dietz / Nürnberg Luftbild / Nürnberg-Fürther Stadtkanalverein e.V.

Die Große Koalition in Nürnberg hat einen Plan: Sie möchte die A73, den Frankenschnellweg, ausbauen, um mit mehr Straße die täglichen Staus zu beenden. Der Nürnberg-Fürther-Stadtkanalverein  hat eine andere Idee: eine Wasserstraße. Die Autobahn soll verschwinden, stattdessen soll in der Trasse ein zehn Kilometer langer und 1,50 Meter tiefer Kanal entstehen, mit Brücken und vier Freibädern. Preisgünstig gegraben wird der Kanal von der Nachbarschaft, eine Familie oder Kleingruppe übernimmt jeweils 12 Meter und kann im Gegenzug die angrenzende Parzelle zum Gärtnern nutzen. Der Verein rechnet daher mit maximal einem Sechstel der Baukosten, die beim Ausbau der A73 entstehen würden. Und die Autofahrer? Sie könnten mit einer elektrischen Fähre staufrei zur Arbeit fahren. Parallel zum Kanal soll ein Fahrradweg verlaufen, auf dem Pendler in die City radeln können. 40 Hektar Grün würden dort entstehen, wo heute nur Asphalt und Beton ist – für Frischluft, Abkühlung, Starkregen-Versickerung und Artenvielfalt.

Open Sustainable Technology

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Screenshot: opensustain.tech/

Ein wunderschöner, unglaublich vielfältiger Planet inmitten einer feindlichen Umgebung – das ist die Erde im All. Ihr in Milliarden Jahren entwickeltes Ökosystem ist durch den Menschen gemachten Klimawandel bedroht – aber was verändert sich wo genau? Was können wir messen, wie identifizieren wir die Beschleuniger des Klimawandels, welche Modelle gibt es für Vorhersagen, aus denen man dann konkrete Maßnahmen für den Klimaschutz ableiten könnte? Die in zweijähriger ehrenamtlicher Arbeit vom Jülicher Raumfahrtexperten Tobias Augspurger recherchierte und programmierte Datenbank OpenSustain.Tech  versammelt in einem sortierten Katalog weltweit offen zugängliche Daten-, Hardware- und Softwareprojekte, die sich mit Nachhaltigkeit beschäftigen, wie zum Beispiel die Berechnung des CO₂-Fußabdrucks oder aber die Erfassung aller Bäume weltweit aus Satellitendaten. Die Open-Source-Projekte können hier gefunden, abgerufen und von allen gemeinsam verbessert werden. Mit dem Zugang zu diesen Daten kann beispielsweise auch Greenwashing entlarvt werden.

Pléta – die nachhaltige Tellerrevolution

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Pleta

Auf dem Boden liegt der Rohstoff, aus dem die Revolution ist: heruntergefallene Blätter der Arekapalme. Aus diesen fertigen nepalesische Frauen seit 2019 unter fairen Bedingungen Teller, Schalen und Löffel an. Die Palmblätter werden unter Hitze in Form gepresst, somit ist Einmalgeschirr chemiefrei und anschließend schneller kompostierbar als etwa Bambus. Die drei Gründer:innen des Projekts »Pléta«  waren früher Reiseveranstalter und entwickelten die Idee des Palmblätter-Geschirrs aus der nepalesischen Hindukultur, in der Essen auf Palmblättern serviert wird. Finanziert wurden Produktion und Vertrieb anfangs mit Crowdfunding, inzwischen wird von Dorsten aus das Geschirr in Deutschland vertrieben. Pléta wurde mit dem Deutschen Nachhaltigkeitspreis 2022 ausgezeichnet.

Socialbnb

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socialbnb Team

Wie kann man eigentlich reisen und etwas Gutes tun? Zum Beispiel, indem man eine Unterkunft wählt, die mit einem Teil der Einkünfte soziale und ökologische Projekte finanziert. Diese zu finden, will die Plattform »socialbnb.org«  erleichtern. Auf die Idee, Tourismus und lokales Engagement zu verknüpfen, kamen die beiden Gründer des Kölner Start-ups, als sie in Kambodscha einen Tuk-Tuk-Fahrer kennenlernten. Dieser wollte gern eine Schule gründen, aber ihm fehlte das Geld. Das Konzept, Zimmer in seinem Haus an Reisende zu vermieten und mit dem Erlös die Schule zu finanzieren, ging auf: Schon nach drei Monaten reichten die Einnahmen, um die Schule zu bauen und einen Englischlehrer einzustellen. Inzwischen finden sich rund 200 Projekte auf der Seite. Wer beispielsweise im »Project Wings« in Indonesien übernachtet, hilft, den Bau eines ganzen Dorfes aus gesammeltem Plastikmüll zu finanzieren.

Take a garden

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Take a Garden

Schön ist es, das eigene Gemüse anzubauen. Aber dafür braucht man ein Stück Acker. Toll ist ein eigener Garten, aber oft fehlt die Zeit, ihn zu nutzen. Die in Wolfenbüttel gestartete Website »Take a garden«  vermittelt kleine grüne Paradiese an Menschen, die kein eigenes Stück Grün haben: für einen Nachmittag, für eine Saison. Das Sharing-Konzept bringt nicht nur Menschen miteinander in Verbindung, sondern führt auch dazu, dass grüne Oasen besser genutzt werden und weniger Fläche verbraucht wird. Die Idee ist auch: Wer mehr Zeit in der Natur verbringt, wird sie in Zukunft besser schützen. Auf der Website zu finden sind derzeit rund 400 Gärten, Äcker oder Freizeitgrundstücke in Deutschland.

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