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Atomtests Späte Wahrheit

aus DER SPIEGEL 21/1995

Zehntausende von Bewohnern der Altai-Region erlitten schwere Augenschäden, erkrankten an Krebs und starben vorzeitig an den Folgen der ersten von den Sowjets 1949 gezündeten Atombombe. Die Techniker hatten den Sprengsatz 33 Meter über dem Erdboden auf dem Versuchsgelände westlich von Semipalatinsk zur Explosion gebracht. Dadurch entstand ein riesiger Atompilz aus radioaktiver Erde, die Wolke wurde über Hunderte von Kilometern in nordöstlicher Richtung getragen, dann regnete sie auf die ahnungslose Bevölkerung nieder. Wie Leonid Iljin vom Gesundheitsministerium der Russischen Föderation jetzt dem New Scientist gegenüber erklärte, wurde damals die Hälfte der Altai-Bezirke verseucht. Die Bevölkerung erfuhr erst 40 Jahre später, welcher Gefahr sie ausgesetzt war. Die 21 400 Einwohner des Bezirks Uglowskij beispielsweise, so haben Experten jetzt errechnet, waren einer Durchschnittsdosis von 800 Millisievert ausgesetzt, dem 16fachen der Höchstdosis, die ein deutscher Arbeiter in einer Atomanlage pro Jahr abbekommen darf.

[Grafiktext]

Kartenausschnitt: Altai-Region mit Fallout-Wolke

[GrafiktextEnde]

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