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Sparsam mit Spermien

aus DER SPIEGEL 52/1988

Niemand geht mit Spermien haushälterischer um als die Feuerameisen-Königin (Solenopsis geminata). Für jede der rund 2,6 Millionen Arbeiterameisen, die sie in ihrem siebenjährigen Leben hervorbringt, benötigt sie nur ein bis drei Spermafäden, wie die US-Wissenschaftler Walter R. Tschinkel und Sanford D. Porter von der Florida State University bei der Inspektion von frisch begatteten Ameisenköniginnen nunmehr ausgezählt haben. Den Vorrat für ihr ganzes Leben erwirbt sich das Weibchen bei einem nur etwa eine Stunde dauernden Hochzeitsflug. Unter den höherentwickelten Säugern nimmt der Samenverschleiß dagegen unaufhaltsam seinen Lauf: Um ein einziges menschliches Ei zu befruchten, gilt es durchschnittlich 200 bis 600 Millionen Spermien auf den Weg zu bringen; bei Hengsten und Ebern geht die Redundanz pro Ejakulation in die Milliarden. Was ausgerechnet gesellig lebende Hautflügler dazu veranlaßt, bei der Spermienverwertung eiserne Disziplin zu üben, vermögen vorerst auch die Fadenzähler aus dem US-Staat Florida nicht zu beantworten: »Darum haben wir uns«, so Tschinkel, »noch zu wenig gekümmert.«

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