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Statt Abtreibung die »Pille danach«

aus DER SPIEGEL 43/1992

Die von der französischen Hoechst-Tochter Roussel-Uclaf entwickelte Abtreibungspille RU 486 ist nach den Untersuchungen eines Medizinerteams an der University of Edinburgh zugleich eine »äußerst wirksame« Pille danach. Die schottischen Wissenschaftler verglichen in ihrer Studie an insgesamt 800 Frauen die Wirksamkeit von RU 486 mit den bislang üblichen (auch in Deutschland zugelassenen) Östrogen-Gestagen-Kombinationen. 398 der Frauen erhielten - spätestens 72 Stunden nach einem Geschlechtsverkehr, durch den sie möglicherweise schwanger geworden waren - ein herkömmliches Präparat; 402 Frauen wurden in gleicher Weise mit RU 486 behandelt. Vier Frauen, die zu der ersten Gruppe gehörten, wurden schwanger, in der RU-486-Gruppe kam es zu keiner Schwangerschaft. Zudem berichteten die mit RU 486 behandelten Frauen über weniger Nebenwirkungen wie Übelkeit oder Erbrechen. Nach Ansicht der schottischen Ärzte könnte RU 486, das bei solcher Anwendung die Einnistung des Eis verhindert, »bei verbreiteter Anwendung die Zahl der ungeplanten und ungewünschten Schwangerschaften vermindern helfen«. Für RU 486, das mittlerweile in China zugelassen ist, sich in Großbritannien, Frankreich und Schweden bereits auf dem Markt befindet, ist in Deutschland die Zulassung beim Bundesgesundheitsamt vom Hersteller noch immer nicht beantragt worden.

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