Auszeichnung in Stockholm Nobelpreis für Physik geht an drei Quantenforscher

Die Schwedische Akademie der Wissenschaften zeichnet Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger mit dem Physik-Nobelpreis aus. Sie werden für ihre Arbeit auf dem Gebiet der Quantenphysik geehrt.
Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger

Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger

Foto: Niklas Elmehed / Nobel Prize Outreach

Alain Aspect, John F. Clauser und Anton Zeilinger erhalten den Physik-Nobelpreis, wie die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm verkündete. Ausgezeichnet werden die Forscher für ihre Arbeit auf dem Gebiet der Quantenphysik. Die Wissenschaftler hätten bahnbrechende Experimente mit verschränkten Quantenzuständen durchgeführt, bei denen sich zwei Teilchen wie eine Einheit verhalten, auch wenn sie getrennt sind. Die Ergebnisse hätten den Weg geebnet für neue, auf Quanteninformation basierende Technologien.

Mit Experimenten hätten der Franzose Aspect, der US-Amerikaner Clauser und der Österreicher Zeilinger gezeigt, dass es möglich ist, Teilchen, die sich in verschränkten Zuständen befinden, zu untersuchen und zu kontrollieren, heißt es in einer Mitteilung. Was mit einem Teilchen eines verschränkten Paares geschieht, bestimmt demnach, was mit dem anderen geschieht – selbst wenn sie sehr weit voneinander entfernt sind.

Quantenphysik beschäftigt sich mit kleinsten Teilchen und ihren Wechselwirkungen, Forschungsergebnisse dienen etwa der Entwicklung von Quantencomputern und künstlicher Intelligenz – oder abhörsicherer Kommunikation. Nach Cyberangriffen auf den Bundestag hatte die damalige Regierung auf ein Pilotprojekt der Fraunhofer-Gesellschaft gesetzt: Quantenkommunikation sollte Datenverbindungen abhörsicher machen. Diese nutze ein unumgängliches Wirkungsprinzip aus der Quantenphysik, die neue Datenleitung werde deswegen nicht auslesbar sein, sagte Fraunhofer-Präsident Reimund Neugebauer 2019 der dpa. »Sie können die Datenleitungen vielleicht unterbrechen – aber sie können sie nicht unbemerkt auslesen. Wenn man ein Quant misst, verändert es sich – das ist ein Teil des Sicherheitsprinzips.«

Anton Zeilinger ist auf positive Weise fassungslos, dass er in diesem Jahr mit zwei weiteren Wissenschaftlern den Nobelpreis erhält. »Ich bin immer noch irgendwie geschockt«, sagte der 77-Jährige, als er telefonisch zur Preisbekanntgabe in Stockholm zugeschaltet wurde. Es handle sich aber definitiv um einen »positiven Schock«. Gut eine Stunde vor der Verkündung hatte ihn die Königlich-Schwedische Akademie der Wissenschaften in das Geheimnis eingeweiht, dass er zu den diesjährigen Preisträgern zählt. Seine Forschung hat Zeilinger in Anlehnung an das legendäre »Beamen« in der Science-Fiction-Serie »Star Trek« den Spitznamen »Mr. Beam« eingebracht. 1997 gelang ihm die Teleportation – der Transport des Zustands eines Lichtteilchens.

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Der Physik-Nobelpreis wird seit 1901 vergeben. Den Ersten erhielt der deutsche Physiker Wilhelm Conrad Röntgen für die Entdeckung der »X-Strahlen«, der später nach ihm benannten Röntgenstrahlen. Traditionell wird der Preis in der Kategorie Physik als Zweites vergeben, in den Folgetagen stehen die Bekanntgaben in Chemie, Literatur, Frieden sowie in Wirtschaftswissenschaften an. In den beiden vergangenen Jahren waren mit dem Astrophysiker Reinhard Genzel und dem Meteorologen Klaus Hasselmann jeweils deutsche Forscher unter den Physik-Nobelpreisträgern gewesen. Hasselmann und zwei weitere Wissenschaftler waren 2021 für ihre Beiträge zur Erforschung des Klimas und zum Verstehen komplexer Systeme geehrt worden. Genzel teilte sich den Preis 2020 ebenfalls mit zwei weiteren Forschenden. Die drei waren für ihre Arbeiten zu schwarzen Löchern ausgezeichnet worden.

Mit den wissenschaftlichen Nobelpreisen werden häufig zwei oder drei Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler gleichzeitig gewürdigt, die etwa gemeinsam zu einem Themenfeld geforscht haben. Gelegentlich ist es jedoch nur einer wie in diesem Jahr der Evolutionsforscher Svante Pääbo: Der seit 1997 in Leipzig forschende Schwede bekam den prestigeträchtigen Preis allein zugesprochen. Er wird ihn für seine Forschung zur Evolution des Homo sapiens und zu dessen ausgestorbenen Verwandten erhalten.

Die Nobelpreise sind mit jeweils zehn Millionen schwedischen Kronen pro Kategorie dotiert, umgerechnet knapp 920.000 Euro. Bis auf den in Oslo gekürten Friedensnobelpreisträger werden alle weiteren Preisträgerinnen und Preisträger in Stockholm verkündet. Verliehen werden die Preise dann traditionell am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters und Dynamit-Erfinders Alfred Nobel (1833-1896).

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version war das Jahr der Teleportation falsch angegeben. Wir haben die entsprechende Stelle korrigiert.

ani/dpa
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