Studie zur Taktwahrnehmung Ratten nicken zu Mozart und Queen

Nicht nur Menschen wippen mit dem Kopf, wenn sie Musik hören – sondern auch Ratten. Eine Studie zeigt nun, dass ihnen sogar die gleichen Beats gefallen.
Musikalische Ratte (Symbolbild): Für ihre Untersuchung haben die Forschenden körperliche Bewegungen und neuronale Aktivitäten von Ratten untersucht

Musikalische Ratte (Symbolbild): Für ihre Untersuchung haben die Forschenden körperliche Bewegungen und neuronale Aktivitäten von Ratten untersucht

Foto: Ezume Images / iStockphoto / Getty Images

Die meisten werden es wohl kennen: Hört man ein gutes Lied, bewegt man sich. Forschende fanden nun heraus, dass nicht nur Menschen diesen Drang haben – sondern auch Ratten.

Taktwahrnehmung und -synchronisation innerhalb von 120 bis 140 Beats/min (BPM) seien beim Menschen üblich und würden häufig in der Musikkomposition verwendet, schreiben die Autorinnen und Autoren in der Fachzeitschrift »Science Advances« . Für ihre Untersuchung haben die Forschenden körperliche Bewegungen und neuronale Aktivitäten von Ratten untersucht, um ihre Taktsensibilität zu bestimmen.

Dafür wurden die Kopfbewegungen der Ratten mit einem drahtlosen Miniatur-Beschleunigungsmesser gemessen – während den Ratten Musik vorgespielt wurde. An drei aufeinanderfolgenden Tagen wurde das Experiment wiederholt.

Die Ratten bekamen etwa die »Sonate für zwei Klaviere« in D-Dur von Mozart in vier verschiedenen Geschwindigkeiten zu hören. Die Forschenden konnten beobachten, dass die Kopfbewegungen in einigen Versuchen mit den Schlägen synchronisiert waren – und dass diese Bewegungen in einer zweibeinigen Haltung wahrscheinlich besser sichtbar waren.

»Beat It« von Michael Jackson

Insgesamt fünf Musikstücke wurden den Angaben zufolge dargeboten: »Sonate für zwei Klaviere« von Mozart, »Born This Way« von Lady Gaga, »Another One Bites the Dust« von Queen, »Beat It« von Michael Jackson und »Sugar« von Maroon 5. Jedes Musikstück wurde nach dem Zufallsprinzip zweimal über den Lautsprecher abgespielt. Alle Bewegungen in der experimentellen Sitzung wurden von einer Kamera hinter der Versuchsarena aufgezeichnet.

Eine genaue Untersuchung der Kopfbewegungen und neuronalen Aufzeichnungen ergab, dass Ratten eine ausgeprägte Taktsynchronisation und Aktivitäten im Hörzentrum innerhalb von 120 bis 140 BPM aufweisen, heißt es in der Studie. Die mathematische Modellierung deute darauf hin, dass dieser Taktabstimmung eine kurzfristige Anpassung zugrunde liege. Die Ergebnisse würden die Hypothese stützen, dass das optimale Tempo für die Taktsynchronisation durch die Zeitkonstante der neuronalen Dynamik bestimmt wird, die über alle Spezies hinweg erhalten bleibt – und nicht durch die artspezifische Zeitkonstante der körperlichen Bewegungen.

»Die Ratten zeigten eine angeborene – das heißt ohne jegliches Training oder vorherige Berührung mit Musik – Taktsynchronisation«, sagte Hirokazu Takahashi von der Universität Tokio dem »Guardian« . »Musik übt eine starke Anziehungskraft auf das Gehirn aus und hat tief greifende Auswirkungen auf Emotionen und Kognition«.

Experimente mit Tieren stehen immer wieder in der Kritik. Die Forschenden schreiben in der Studie, es seien alle Anstrengungen unternommen worden, »um das Leiden oder die Unannehmlichkeiten für die Tiere so gering wie möglich zu halten und die Zahl der verwendeten Tiere zu reduzieren.« Nach den Versuchen wurden die Tiere demnach mit einer Überdosis Pentobarbital-Natrium eingeschläfert.

Das Team plane nun zu untersuchen, wie andere musikalische Eigenschaften wie Melodie und Harmonie mit der Dynamik des Gehirns zusammenhängen, heißt es beim »Guardian«. »Als Ingenieur bin ich auch daran interessiert, wie man Musik für ein glückliches Leben nutzen kann«, zitiert die Zeitung Takahashi.

ani
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.