Verborgene Knochen 3-D-Drucker fertigt Kopie von Dinowirbel

Einen fossilen Knochen aufzubereiten, ist mühsam und kann Monate dauern. Diese Arbeit können sich Präparatoren zukünftig wohl sparen. Forscher haben eine Technik entwickelt, mit der sich verborgene Knochenteile einfach ausdrucken lassen.

Dinosaurier-Wirbel: Beim Präparieren kann der Knochen kaputt gehen
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Dinosaurier-Wirbel: Beim Präparieren kann der Knochen kaputt gehen


3-D-Drucker könnten Forschern zukünftig jede Menge Arbeit ersparen: Berliner Wissenschaftler haben einen Dinosaurierknochen aus einem Fossil nachgebildet, ohne die Versteinerung vorher aufwendig präparieren zu müssen, berichten sie im Fachmagazin "Radiology". Der Trick: Sie schoben den Knochen in einen Computertomographen, um ihn im Sediment auszumessen. Anschließend fütterten sie einen 3-D-Drucker mit den Daten und erhielten eine genaue Nachbildung.

"Wir können einen Knochen im Gestein sehen und nachbilden, ohne das Fossil überhaupt anzufassen", erklärt Ahi Sema Issever vom Institut für Radiologie an der Berliner Charité. "Das Elegante ist, dass wir nichts zerstört haben." Für das Freilegen von Knochen aus den Sedimenten bräuchten Präparatoren normalerweise Wochen oder Monate. Dabei bestehe immer die Gefahr, Bereiche des Original-Knochens zu zerstören.

Bei der Analyse offenbarte das untersuchte Fossil zwei Geheimnisse: Der Knochen erwies sich als Wirbel eines Plateosaurus, der vor etwa 210 Millionen Jahren lebte. Und er gehört zu einer Grabung vor mehr als 80 Jahren in Halberstadt in Sachsen-Anhalt.

Knochenchaos im Naturkundemuseum

Anlass für die Knochen-Kopie war eine Anfrage aus dem Berliner Naturkundemuseum. Dort gerieten nach einer Bombenexplosion im Zweiten Weltkrieg Präparate von Grabungen aus Afrika und Deutschland durcheinander. Bis heute ist die Herkunft verschiedener Funde nicht geklärt.

"Um zu verstehen, was zu welcher Grabung gehört, müssten wir jedes einzelne Objekt öffnen", sagt der Dinosaurier-Forscher und Gastwissenschaftler am Naturkundemuseum, Oliver Wings. Die CT-Technik sei für Paläontologen unglaublich hilfreich und bereits verbreitet. Die Berliner Forscher gehörten aber zu den ersten, die die Daten unpräparierter Knochen für einen 3-D-Druck genutzt hätten. "In Zukunft werden 3-D-Drucke zum Standard", ist Wings überzeugt.

Auch in anderen Forschungsbereichen wird die Technik bereits genutzt. Im Oktober 2013 berichteten amerikanische Forscher, sie hätten das Wachstum und Verhalten von Bakteriengemeinschaften mit Hilfe von 3-D-Druckern untersucht. Mit einem lasergestützten Verfahren hatten die Forscher Gelatinekäfige für Keime geschaffen, deren Bedingungen sich exakt kontrollieren lassen.

jme/dpa



insgesamt 8 Beiträge
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zaphod1965 20.11.2013
1. Sehr gut
Außerdem lassen sich Verformungen, denen das Fossil durch Druck ausgesetzt wurde, am Computer rückgängig machen, bevor man den Knochen ausdruckt. Nur mal so als Anmerkung. Ich bin außerdem dafür, dass man statt 3D-Drucker in Zukunft "Replikator" sagt, als Ehrung für Gene Roddenberry, der diese Technologie schon vor Jahrzehnten vorhergesagt hat.
QPDO 20.11.2013
2. einfach und genial :)
Clever gemacht! Wahrscheinlich ist das sogar noch deutlich günstiger als zwei Monatsgehälter eines Präparators.
augu1941 20.11.2013
3.
Der Trick: Sie schoben den Knochen in einen Computertomographen, um ihn im Sediment auszumessen. Anschließend fütterten sie einen 3-D-Drucker mit den Daten und erhielten eine genaue Nachbildung. "Wir können einen Knochen im Gestein sehen und nachbilden, ohne das Fossil überhaupt anzufassen", erklärt Ahi Sema Issever vom Institut für Radiologie an der Berliner Charité. "Das Elegante ist, dass wir nichts zerstört haben." Genauso wichtig in diesem zerstörungsfreien Verfahren, besser noch wichtiger als der 3-D-Drucker, ist dabei wohl der Computertomograph, mit dem die verborgenen Strukturen des Knochens in der Versteinerung sichtbar gemacht werden. Theoretisch könnte auch ein guter Zeichner beim Ansehen der CD den Knochen zeichnen, dann ergibt sich aber keine räumliche Nachbildung des Knochen.
Langkieler 20.11.2013
4. Nachricht aus der Steinzeit
Schon vor 25 Jahren wurden Modelle von Mumien-Schädelknochen, ohne diese auswickeln zu müssen, mit Rapid-Prototyping-Techniken originalgetreu nachgebildet. Wo, bitte, ist der Neuigkeitsfaktor dieser heutigen Nachricht?
maco 20.11.2013
5. Replikator
Zitat von zaphod1965Außerdem lassen sich Verformungen, denen das Fossil durch Druck ausgesetzt wurde, am Computer rückgängig machen, bevor man den Knochen ausdruckt. Nur mal so als Anmerkung. Ich bin außerdem dafür, dass man statt 3D-Drucker in Zukunft "Replikator" sagt, als Ehrung für Gene Roddenberry, der diese Technologie schon vor Jahrzehnten vorhergesagt hat.
Dann müsste der Druck aber aus dem gleichen Material erstellt werden - auch wenn in unserem Sprachgebrauch eine Replik materialverschieden sein darf.
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