Ärmelkanal Sonarbilder zeigen perfekt erhaltenen Weltkriegsbomber

Ein deutscher Bomber wurde 1940 über dem Ärmelkanal abgeschossen -  Radarbilder zeigen jetzt, dass die Do-17 bis heute nahezu unversehrt ist. Ihr Zustand ist so gut, dass ein britisches Museum die Maschine bergen will.

REUTERS/ Port of London

London - Ihr schlanker Rumpf brachte ihr den Spitznamen "fliegender Bleistift" ein - was verniedlichend klingt angesichts der Zerstörung, die die Dornier Do 17 über die Zivilbevölkerung in Ländern wie Polen, Frankreich und England brachte. Rund 2000 Exemplare des zweimotorigen Bombers wurden für die Luftwaffe produziert, zu besichtigen ist heute kein einziges mehr.

Das aber könnte sich bald ändern: Im Ärmelkanal liegt eine Do-17, die offenbar extrem gut erhalten ist. Das Wrack, das in einem Gebiet namens Goodwin Sands nahe der Küste der Grafschaft Kent liegt, wurde bereits 2008 entdeckt. Doch erst jetzt hat eine Expedition der Port of London Authority (PLA) gezeigt, dass das Flugzeug die fast 70 Jahre seit seinem Absturz erstaunlich gut überstanden hat.

Nach dem Aufschlag auf dem Wasser sank das Flugzeug kopfüber auf etwa 15 Meter Tiefe. Zwischenzeitlich wurde es sichtbar, ehe es wieder unter dem Sand des Meeres verschwand. Die PLA hat das Wrack jetzt mit einem Hightech-Sonar abgetastet - und einen "unglaublichen" Erhaltungszustand festgestellt, wie Ian Thirsk vom Royal Air Force Museum in London der britischen BBC sagte.

Nur geringe Schäden

Die Sonarbilder zeigen, dass das Flugzeug beim Absturz offenbar nur geringe Schäden am Bug abbekommen hat. "Der Bombenschacht ist offen", sagte PLA-Sprecher Martin Garside. Das deute darauf hin, dass die Besatzung vor dem Crash die Ladung abgeworfen hat. Zwei Besatzungsmitglieder starben bei dem Aufprall. Die beiden anderen, darunter der Pilot, überlebten den Krieg als Gefangene.

Den verblüffend guten Zustand des Flugzeugs führt Garside darauf zurück, dass die Do-17 nahezu komplett aus Aluminium bestand und stabil gebaut war. Allerdings könne der wandernde Sand am Meeresboden das Wrack weiter beschädigen. Zudem sei es inzwischen ein beliebtes Ziel für Sporttaucher, die auf der Jagd nach Souvenirs seien.

Das Royal Air Force Museum hat jetzt eine Spendenaktion gestartet, um die Bergung finanzieren zu können. "Dieses Flugzeug ist einzigartig und mit einer ikonischen Phase der britischen Geschichte verbunden", sagte Museumsmitarbeiter Thirsk. "Deshalb kann seine Bedeutung nicht hoch genug eingeschätzt werden, sowohl national als auch international." Thirks sprach gar von "einer der wichtigsten Luftfahrtentdeckungen des Jahrhunderts".

Die Do-17 wurde 1937 bei der Luftwaffe als schneller Bomber eingeführt. Sie wurde während des gesamten Zweiten Weltkriegs genutzt, ab 1940 allerdings zunehmend durch moderne Typen wie die Heinkel He-111 und Junkers Ju-88 ersetzt, die über größere Bombenzuladungen und Reichweiten verfügten. Dennoch wurde die Do-17 noch bis 1952 von der finnischen Luftwaffe eingesetzt.

mbe/Reuters



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